Krankenkasse

Nico Hirschi

Dipl. Pflegefachmann Psychiatrie HF
DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern

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Wer braucht eine Krankenkasse?

Alle Personen, die in der Schweiz wohnhaft sind, müssen sich bei einer schweizerischen Krankenkasse versichern, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit. Dies gilt auch für Ausländerinnen und Ausländer, die über keine gültige Aufenthaltsbewilligung verfügen.

Wie bin ich mit der Grundversicherung versichert?

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung gewährleistet eine umfassende medizinische Grundversorgung. Über den genauen Versicherungsschutz informieren die Krankenkassen. Der Leistungskatalog ist bei allen Krankenkassen identisch. Er umfasst namentlich:

  • die ambulante Behandlung durch Ärzte und Chiropraktoren samt Physiotherapie und Ergotherapie
  • von Ärzten und Chiropraktoren verordnete Medikamente (ambulant nur, wenn sie in der Spezialitätenliste aufgeführt sind).
  • den Aufenthalt in den allgemeinen Abteilungen der Spitäler des Wohnkantons und in ausserkantonalen Kliniken, falls medizinisch angezeigt oder in Notfällen.
  • Untersuchungen, Behandlungen und Pflegemassnahmen zu Hause (Spitex) und in Pflegeheimen.
  • Massnahmen der medizinischen Rehabilitation
  • Präventionsmassnahmen (z.B. bestimmte Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen)
  • Zahnbehandlung nur, wenn eine schwere Erkrankung des Kausystems auftritt oder im Zusammenhang mit einer schweren Allgemeinerkrankung.
  • Brillengläser und Kontaktlinsen: Fr. 180.– bei Erwachsenen alle 5 Jahre, bei Kindern (bis 18 Jahre) jährlich.
  • bei Notfallbehandlungen im Ausland übernimmt die Grundversicherung höchstens den doppelten Betrag der Kosten, die in der Schweiz vergütet würden. Spezielle Regelungen gelten für erforderliche Behandlungen in EU- und EFTA-Ländern.
  • die psychotherapeutische Behandlung, wenn sie von Psychiater oder von Psychologen in einer ärztlichen Praxis, auf ärztliche Verordnung und unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden.
  • die Kosten einer Geburt werden vergütet, wenn diese von Ärzten oder Hebammen begleitet wird. Zudem werden 8 Kontrollen während (7) und nach (1) der Schwangerschaft (inkl. Ultraschalluntersuchungen) und ein Teil der Kosten von Stillberatungen und Geburtsvorbereitungskursen übernommen.

Welche Kosten muss ich trotz Grundversicherung bezahlen?

Einen Teil der Behandlungskosten müssen die Versicherten selbst bezahlen. Die Kostenbeteiligung besteht aus einer Franchise, einem Selbstbehalt und einem Spitalbeitrag.

Die ordentliche Franchise beträgt für Erwachsene ab 18 Jahren Fr. 300.– pro Jahr (Kinder Fr. 0.–). Die Versicherten können eine höhere Franchise wählen und zahlen dafür tiefere Prämien.

Der Selbstbehalt beträgt 10% der die Franchise übersteigenden Kosten; maximal beläuft er sich auf Fr. 700.- pro Jahr (Kinder Fr. 350.-).

Der Spitalbeitrag beträgt Fr. 10.- pro Spitaltag für Personen, die nicht mit einem Familienmitglied in einem Haushalt leben.

Unfalldeckung

Wenn Sie acht oder mehr Stunden in der Woche erwerbstätig sind und durch Ihren Arbeitgeber gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert sind, können Sie die Unfalldeckung in Ihrer Krankenversicherung ausschliessen. Dazu müssen Sie Ihrem Versicherer eine Bestätigung Ihres Arbeitgebers zustellen, dass Sie gemäss Unfallversicherungsgesetz (UVG) gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert sind. Sie zahlen dann ab folgendem Monat eine geringere Krankenversicherungsprämie.

Wozu brauche ich eine Zusatzversicherung?

Zusatzversicherungen decken Leistungen ab, welche die Grundversicherung nicht übernimmt. Jeder Versicherer legt in seinen Versicherungsbedingungen fest, welche Leistungen er in seinen Zusatzversicherungen anbietet. Es handelt sich namentlich um:

  • freie Arztwahl im Spital. Eine Zusatzversicherung ist oft auch für die Behandlung durch einen Belegarzt in einem Privatspital erforderlich.
  • zusätzlichen Komfort (z.B. Ein- oder Zweibettzimmer im Spital)
  • alternative Behandlungsmethoden (Homöopathie, Anthroposophie, Neuraltherapie, chinesische Medizin, Phytotherapie, usw.) und Behandlung durch Naturheiler.
  • Zahnbehandlungen: Zahnfüllungen bei Karies, Korrektur von Zahnstellungen
  • Zusätzlichen Beitrag an Brillen und Kontaktlinsen
  • Reiseversicherung: eine zusätzliche Reiseversicherung kann notwendig sein
  • Psychotherapeutische Behandlungen bei nicht-ärztlichen Therapeuten

Kann ich für Grund- und Zusatzversicherung unterschiedliche Versicherer haben?

Ja, diese können bei verschiedenen Krankenversicherer abgeschlossen werden.

Wie kann ich die Krankenkasse wechseln?

1. Informieren und Offerten einholen

Der Leistungsumfang in der Grundversicherung ist bei allen Krankenversicherer gleich. Bei Zusatzversicherungen gibt es teilweise erhebliche Unterschiede bei Leistungen und Kosten.

Offerten können Sie telefonisch, schriftlich oder online beantragen. Vergleichen Sie die Angebote. Für eine Offerte für die Grundversicherung müssen Sie nur Angaben zu Name, Wohnort und Jahrgang machen. Fragen zu Ihrem Gesundheitszustand müssen Sie bei der Grundversicherung nicht beantworten. Anders bei Zusatzversicherungen: Hier müssen Sie detailliert über Ihren Gesundheitszustand Auskunft geben. Verschweigen Sie etwas, kann man Ihnen später Leistungen verwehren.

Über www.comparis.ch können Sie Prämien vergleichen und online Offerten anfordern.

2. Beim neuen Krankenversicherer anmelden

Sie können sich auch beim Krankenversicherer anmelden, ohne vorgängig eine Offerte einzuholen.

a) für die Grundversicherung: Jeder Krankenversicherer, der in Ihrer Wohnregion aktiv ist, muss Sie für die Grundversicherung ohne Einschränkung aufnehmen (Versicherungsobligatorium).

b) für die Zusatzversicherung: Bei den freiwilligen Zusatzversicherungen besteht von Seiten der Versicherer keine Aufnahmepflicht. Es ist dem Versicherer überlassen, ob er Sie in die Versicherung aufnimmt.

3. Bisherige Krankenversicherung kündigen

a) Grundversicherung: Kündigen Sie Ihre bisherige Krankenversicherung schriftlich. Die Grundversicherung kann gekündigt werden, bevor eine Aufnahmebestätigung des neuen Versicherers vorliegt. Sie können auch kündigen, wenn Sie in einer Behandlung stehen oder fortgeschrittenen Alters sind.

b) Zusatzversicherung: Kündigen Sie Ihre Zusatzversicherung erst dann, wenn Sie vom neuen Versicherer eine schriftliche Aufnahmebestätigung haben, sonst können Sie den Versicherungsschutz endgültig verlieren. Bei den Zusatzversicherungen können die Versicherer die Aufnahme verweigern. Sie brauchen Ihre Zusatzversicherung nicht zu kündigen, nur weil Sie die Grundversicherung wechseln.

Kündigungsfristen

Kündigen Sie rechtzeitig. Wenn Sie auf 1. Januar Ihre Grundversicherung bei einem anderen Krankenversicherer abschliessen, muss Ihr Kündigungsschreiben spätestens am 30. November beim Krankenversicherer eingetroffen sein.

Zusatzversicherung: Bei einer Prämienerhöhung können Sie die Zusatzversicherung je nach Versicherer innerhalb von 25-30 Tagen nach Mitteilung der Prämienerhöhung kündigen (bei manchen Versicherer ist die Frist länger). Ohne Prämienerhöhung können Sie in der Regel mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten auf Ende des Kalenderjahres kündigen. Die Kündigung muss bis zum 30. September beim Versicherer eingetroffen sein.

Was ist eine Prämienverbilligung?

Die Kantone sind verpflichtet, Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen Prämienverbilligungen für die obligatorische Grundversicherung der Krankenkasse zu gewähren. Die Höhe der Prämienverbilligung ist nach wirtschaftlichen Verhältnissen und nach Prämienregionen abgestuft.

Wie erhalte ich eine Prämienverbilligung?

Der Anspruch auf die Prämienverbilligung wird automatisch ermittelt. Falls Sie einen Anspruch auf Prämienverbilligung haben, erhalten Sie eine schriftliche Benachrichtigung. Durch eine Prämienverbilligung reduziert sich die monatliche Krankenkassenprämie.

Ausnahmen bilden folgende Fälle, in welchen der Antrag auf Prämienverbilligung selbst gestellt werden muss:

  • Ledige junge Erwachsene unter 25 Jahren, deren korrigiertes Reineinkommen weniger als Fr. 12’000.00 beträgt.
  • Junge Erwachsene in Ausbildung (18 bis 25 Jahre), die nicht zur Familie ihrer Eltern zählen, wenn sie eine Prämienverbilligung von 50 % der Durchschnittsprämie geltend machen wollen.
  • Quellenbesteuerte Personen (Personen mit Aufenthaltsbewilligungen B, L, N, F) und Personen, die im Vorjahr zeitweise an der Quelle besteuert wurden.
  • Personen, die in der letzten Steuererklärung kein Einkommen ausgewiesen haben oder diese nicht eingereicht haben.
  • Personen, die am 1. Januar aus einem anderen Kanton oder während des laufenden Jahres aus dem Ausland zugezogen sind.

Weitere Informationen unter http://www.jgk.be.ch/site/index/asvs/asvs_praemienverbilligung.htm

Ein Antragsformular kann unter folgender Adresse bestellt werden:

Amt für Sozialversicherungen und Stiftungsaufsicht
Abteilung Prämienverbilligung und Obligatorium
Forelstrasse 1
3072 Ostermundigen
Tel. 0844 800 884; Fax: 031 633 77 01
E-Mail: asvs.kv@jgk.be.ch
Antrag Prämienverbilligung: www.jgk.be.ch/site/asvs_praemienverbilligungantragsformular.pdf

Sozialhilfe- und Ergänzungsleitungsbezug und Prämienverbilligung?

Bezüger von Ergänzungsleistungen (EL) erhalten einen Pauschalbetrag. Die Prämienverbilligung wird in den EL eingerechnet und mit dieser ausbezahlt. Es wird keine zusätzliche Prämienverbilligung gewährt.

Bezüger von Sozialleistungen können die Prämienabrechnung für die obligatorische Grundversicherung der entsprechenden Behörde (Sozialdienst) einreichen. Von dieser erhalten sie die Prämie der Grundversicherung vollumfänglich verbilligt. Es wird keine zusätzliche Prämienverbilligung gewährt.

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