Invalidenversicherung (IV)

Nico Hirschi

Dipl. Pflegefachmann Psychiatrie HF
DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern

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Was ist die IV?

«Die Schwester der AHV»

Die schweizerische Invalidenversicherung (IV) ist wie die AHV und die Krankenversicherung eine gesamtschweizerische obligatorische Versicherung. Ihr Ziel ist es, den Versicherten mit Eingliederungsmassnahmen oder Geldleistungen die Existenzgrundlage zu sichern, wenn sie invalid werden.  Die IV ist Teil des eidgenössischen Sozialversicherungsnetzes. Dieses basiert auf dem Dreisäulenkonzept: die staatliche Versicherung mit IV, AHV und den Ergänzungsleistungen (EL) als erste Säule, die berufliche Vorsorge (Pensionskasse) als zweite Säule und die Selbstvorsorge als dritte Säule. Dieses Sozialversicherungssystem wird ergänzt durch die öffentliche Sozialhilfe: Auch als Fürsorge bezeichnet, bildet sie das letzte Auffangnetz.  Wie bei der AHV und den Ergänzungsleistungen besteht auch bei der IV ein Rechtsanspruch auf Leistungen, wenn die im Gesetz genau festgelegten Bedingungen erfüllt sind.  Die schweizerische Invalidenversicherung gibt es seit 1960. Ihre Entstehung geht auf das Jahr 1925 zurück, als das Schweizer Stimmvolk einem Verfassungsartikel zur Schaffung einer Alters- und Invalidenversicherung zustimmte.

Wer ist bei der IV versichert?

Alle, die in der Schweiz wohnen oder erwerbstätig sind Obligatorisch bei der IV versichert sind  · alle Personen, die in der Schweiz wohnen, und  · alle Personen, die in der Schweiz erwerbstätig sind.  Freiwillig bei der IV versichern können sich  · Bürgerinnen und Bürger der Schweiz, der EU oder von EWR-Staaten, sofern sie ausserhalb dieser Länder wohnen.

Invalidität im Sinne der IV

Die IV definiert Invalidität als eine durch körperlichen, psychischen oder geistigen Gesundheitsschaden verursachte Erwerbsunfähigkeit bzw. Unfähigkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich (z.B. im Haushalt) zu betätigen.  Diese Unfähigkeit muss bleibend sein oder längere Zeit (mindestens ein Jahr) dauern. Es spielt jedoch keine Rolle, ob der Gesundheitsschaden schon bei der Geburt bestanden hat oder Folge einer Krankheit oder eines Unfalls ist.  Invalidität besteht also unter folgenden Voraussetzungen:  · Es liegt ein Gesundheitsschaden vor,  · es besteht eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit bzw. Unfähigkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen, und  · die Erwerbsunfähigkeit ist durch den Gesundheitsschaden verursacht.

Exkurs: 5. IV-Revision

Allgemeines

In der eidgenössischen Abstimmung vom 17. Juni 2007 hat das Volk die 5. Revision der Invalidenversicherung gut geheissen. Die Gesetzesänderung tritt am 1. Januar 2008 in Kraft.Die Revision verfolgt zwei Hauptziele:• Verbesserung der Integration mit dem Ziel, die Anzahl Neurenten zu verringern; • Beitrag zur finanziellen Gesundung der IV durch verschiedene Sparmassnahmen.

Verbesserung der Integration

Mit der 5. IV-Revision werden neue Instrumente zur Förderung der Eingliederung und der sozialberuflichen Integration eingeführt, wodurch die Ausrichtung einer Rente vermieden werden soll.

Es handelt sich dabei insbesondere um die Früherfassung und die Frühintervention sowie die Integrationsmassnahmen.

Zu beachten ist, dass die versicherte Person bei allen Massnahmen, die ihrer Integration dienen und ihrem Gesundheitszustand angepasst sind, aktiv mitwirken muss.

Integrationsmassnahmen

Mit den Integrationsmassnahmen soll die Durchführung der beruflichen Eingliederung vorbereitet bzw. ermöglicht werden. Sie richten sich an versicherte Personen mit einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% seit sechs Monaten oder länger und mit vorwiegend psychischem Leiden.

Es gibt zwei Arten von Massnahmen:

1. Die Massnahmen der sozialberuflichen Rehabilitation dienen der Erreichung oder Wiederherstellung der Eingliederungsfähigkeit und der Angewöhnung an eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft. 2. Die Beschäftigungsmassnahmen sollen den Betroffenen eine Tagesstruktur vermitteln und ihre Restarbeitsfähigkeit erhalten.

Um Anspruch auf diese Massnahmen zu haben, muss die versicherte Person fähig sein, eine Präsenzzeit von mindestens zwei Stunden täglich während mindestens vier Tagen pro Woche zu leisten.

Anreizmassnahmen für Arbeitgebende

Die Integration gesundheitlich beeinträchtigter Personen in den Arbeitsmarkt wird auch durch Anreizmassnahmen zugunsten der Arbeitgebenden gestützt. Es handelt sich dabei namentlich um den Einarbeitungszuschuss und die Entschädigung für Arbeitgebende.

Arbeitgebende, die eine gesundheitlich beeinträchtigte Person beschäftigen, haben Anspruch auf einen Einarbeitungszuschuss. Es handelt sich dabei um eine finanzielle Entschädigung für den Arbeitgebenden mit dem Ziel, die eingeschränkte Leistungsfähigkeit während der Integrationsanfangsphase zu kompensieren. Der Einarbeitungszuschuss wird während höchstens 180 Tagen ausgerichtet. Die Versicherung kann dem Arbeitgebenden eine Entschädigung ausrichten, wenn der Mitarbeitende krankheitsbedingt eine Beitragserhöhung der Krankentaggeldversicherung und der beruflichen Vorsorge auslöst. Die Entschädigung wird ausgerichtet, wenn der Mitarbeitende die Arbeit während der ersten zwei Jahre nach der Vermittlung wegen der gleichen Krankheit aussetzen muss. Schliesslich gibt es auch eine Entschädigung für Arbeitgebende, die sich bereit erklären, gesundheitlich beeinträchtigte Personen weiter zu beschäftigen und ihnen ermöglichen, an Integrationsmassnahmen teilzunehmen. Dieser Beitrag beträgt maximal 60 Franken pro Tag, an dem Integrationsmassnahmen durchgeführt werden.

Die Sparmassnahmen

Die noch laufenden Zusatzrenten für Ehegatten von IV-RentnerInnen werden per Ende 2007 aufgehoben.

Der Karrierezuschlag wird bei Renten, die ab dem 1. Januar 2008 zugesprochen werden, nicht mehr angewendet.

Nicht erwerbstätige Personen erhalten kein Taggeld mehr. Davon ausgenommen sind Taggelder für die erstmalige berufliche Ausbildung. Unter gewissen Voraussetzungen können sie künftig hingegen eine Entschädigung für Betreuungskosten erhalten. Das Kindergeld wird von 6% auf 2% des maximalen Taggeldbetrages reduziert.

Im Falle von Überversicherung werden die IV-Leistungen gekürzt. Medizinische Massnahmen für die Eingliederung von über 20-jährigen Personen werden nicht mehr von der IV, sondern grundsätzlich von der Krankenversicherung finanziert.

Die AHV/IV-Mindestbeitragszeit für den Anspruch auf eine ordentliche IV-Rente wird von einem auf drei Jahre erhöht.

Die Renten

Nach der 5. IV-Revision hat die versicherte Person Anspruch auf eine Rente, wenn:

• ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederhergestellt, erhalten oder verbessert werden kann • sie während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40% aufweist.

Der Rentenanspruch entsteht künftig frühestens nach Ablauf von sechs Monaten ab dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person die Anmeldung bei der IV eingereicht hat. Die Rente wird somit nicht mehr rückwirkend ab Eintritt der Erwerbsunfähigkeit ausgerichtet. Versicherte Personen werden dadurch motiviert, eine IV-Anmeldung so früh wie möglich einzureichen. Zur Aufhebung der Bestrafung von Rentenbezügern, die sich aufrichtig bemühen, ihre verbliebene Erwerbsfähigkeit bestmöglich einzusetzen wird eine neue Regelung eingeführt: Erzielt die rentenberechtigte Person ein neues Einkommen oder erhöht sich ihr bisheriges Einkommen, so wird die Rente nur dann revidiert, wenn die Einkommenserhöhung 1500 Franken im Jahr übersteigt. Vom darüber hinausgehenden Betrag werden bei der Rentenrevision lediglich zwei Drittel angerechnet. Die Kinderrenten werden gekürzt, wenn deren Betrag zusammen mit der Rente des Vaters und/oder der Mutter 90% des massgebenden durchschnittlichen Einkommens übersteigt. Um den ungerechtfertigten Leistungsbezug zu bekämpfen, können die IV-Stellen Spezialisten beiziehen.

Wie kann ein Anspruch auf Leistungen geltend gemacht werden?

Früherfassung und Frühintervention

Allgemeines

Die Früherfassung und Frühintervention sind präventive Mittel der Invalidenversicherung (IV), um Personen mit ersten Anzeichen einer möglichen Invalidität rasch zu erfassen. Ziel ist es, den betroffenen Personen mit Hilfe von geeigneten Massnahmen einen Verbleib im Arbeitsprozess oder eine rasche Wiedereingliederung zu ermöglichen und damit die drohende Invalidität abzuwenden.

Früherfassung

Die Früherfassung zielt darauf ab, so früh wie möglich mit Personen in Kontakt zu treten, welche aus gesundheitlichen Gründen in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sind und bei denen die Gefahr einer Chronifizierung der gesundheitlichen Beschwerden besteht. Kommt die IV-Stelle aufgrund der Früherfassung zum Schluss, dass ohne geeignete Massnahmen eine Invalidität droht, fordert sie die versicherte Person auf, sich bei der IV anzumelden. Die Früherfassung ermöglicht der IV ein rasches Eingreifen und präventives Vorgehen.

Die Früherfassung richtet sich an Personen, die

• während mindestens 30 Tagen ununterbrochen arbeitsunfähig waren, oder • innerhalb eines Jahres wiederholt Kurzabsenzen aufweisen.

Die Absenzen müssen durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung begründet sein. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so wird der Fall der IVStelle durch die meldeberechtigten Personen bzw. Institutionen gemeldet.

Meldung

Die Meldung erfolgt schriftlich bei der IV-Stelle des Wohnsitzkantons der versicherten Person. Das Meldeformular kann bei den IV-Stellen, den AHV-Ausgleichskassen und den AHV-Gemeindezweigstellen sowie unter www.ahv-iv.info bezogen werden.

Meldeberechtigt sind:

• die versicherte Person sowie deren gesetzliche Vertretung, • die im gemeinsamen Haushalt lebenden Familienangehörigen der versicherten Person, • der Arbeitgeber der versicherten Person, • die behandelnden Ärzte und Chiropraktoren der versicherten Person, • der Krankentaggeldversicherer, • der Unfallversicherer, • die Einrichtungen der beruflichen Vorsorge, • die Arbeitslosenversicherung, • die Sozialhilfeorgane, • die Militärversicherung.

Personen und Einrichtungen, die Versicherte zur Früherfassung bei der IV-Stelle melden, müssen die betroffene Person vorgängig darüber informieren.

Die Meldung zur Früherfassung gilt nicht als Anmeldung für Leistungen der IV.

Früherfassungsgespräch Falls erforderlich, lädt die IV-Stelle die gemeldete Person zu einem Früherfassungsgespräch ein. Dabei wird eine erste Analyse der medizinischen und sozialberuflichen Situation vorgenommen und geprüft, ob eine Anmeldung bei der IV angezeigt ist oder nicht.

Im Früherfassungsgespräch wird

• die versicherte Person über den Zweck der Früherfassung informiert, • eine Analyse der medizinischen, beruflichen und sozialen Situation der versicherten Person vorgenommen, • falls möglich ein Partner bestimmt, der den Erhalt der Arbeitsfähigkeit günstig beeinflussen kann, • die versicherte Person darüber aufgeklärt, welche Informationen die IV-Stelle bei wem einholt.

Mit dem Einverständnis der versicherten Person können weitere Personen am Gespräch teilnehmen, z. B. die Person/Institution, welche den Fall gemeldet hat und/oder der Arbeitgeber. Es steht ihr ebenfalls offen, sich von einer Vertrauensperson begleiten zu lassen. Hält es die IV-Stelle für angezeigt, kann auch ein Arzt oder eine Ärztin des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) hinzugezogen werden.

Geht aus der Meldung bereits eindeutig hervor, dass eine sofortige Anmeldung bei der IV angezeigt oder die IV nicht zuständig ist, wird auf ein Früherfassungsgespräch verzichtet.

Genügen die Informationen aus dem Früherfassungsgespräch für den Entscheid nicht, kann die IV-Stelle mit Vollmacht der versicherten Person weitere Informationen einholen, unter anderem bei medizinischem Fachpersonal, weiteren Versicherungen, Arbeitgebern oder der Sozialhilfe.

Dauer und Ende der Früherfassung

Die IV-Stelle entscheidet innerhalb von 30 Tagen nach Eingang der Meldung, ob Massnahmen der Frühintervention angezeigt sind oder nicht.

Die Früherfassung endet

• mit dem Eingang der Anmeldung für IV-Leistungen, • mit der Mitteilung an die versicherte Person, es sei keine Anmeldung bei der IV nötig.

Frühintervention

Ziel der Frühintervention ist es, möglichst rasch einzugreifen, damit der bestehende Arbeitsplatz der betroffenen Person erhalten oder sie in einen anderen Arbeitsplatz eingegliedert werden kann. Durch rasches Handeln kann unter Umständen einer Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes entgegengewirkt und verhindert werden, dass Personen vollständig oder teilweise aus dem Arbeitsprozess herausfallen.

Anmeldung für IV-Leistungen

Um Leistungen der IV zu beanspruchen, müssen sich Versicherte rasch bei der IV-Stelle ihres Wohnsitzkantons anmelden. Einen Anspruch anmelden kann eine versicherte Person, ihr gesetzlicher Vertreter sowie Behörden oder Dritte, welche die versicherte Person regelmässig unterstützen bzw. dauernd betreuen. Das entsprechende Antragsformular kann bei den IV-Stellen, den AHV-Ausgleichskassen und den AHV-Gemeindezweigstellen sowie unter www.ahv-iv.info bezogen werden.

Evaluationsgespräch

Nach Eingang der Anmeldung bei der IV führt die IV-Stelle ein Evaluationsgespräch (Assessment) durch. Dieses dient dazu, die relevanten Informationen zusammenzutragen für den Entscheid, ob Frühinterventionsmassnahmen, Integrationsmassnahmen und Massnahmen beruflicher Art angezeigt sind oder nicht und welche Massnahmen allenfalls zu treffen sind. Auf die Durchführung eines Assessments wird verzichtet, wenn aus der IV-An-meldung hervorgeht, dass die Invalidenversicherung nicht zuständig oder die Eingliederung nicht möglich ist oder wenn nicht die Frage der Eingliederung oder der Rente im Zentrum steht, sondern ein Hilfsmittel oder eine Hilflosenentschädigung.

Die versicherte Person und die Eingliederungsverantwortlichen nehmen am Assessment teil. Falls es sich als sinnvoll erweist, können auch die fallverantwortliche Person, ein Arzt oder eine Ärztin des regionalen ärztlichen Dienstes sowie weitere Personen daran teilnehmen.

Eingliederungsplan

Gestützt auf das Assessment wird ein auf die versicherte Person zugeschnittener Eingliederungsplan ausgearbeitet. Er hält die zu erreichenden Ziele fest, regelt die Kooperation zwischen den beteiligten Parteien und definiert die Verantwortlichkeiten und Fristen. Aufgrund des Eingliederungsplanes wird eine Zielvereinbarung erstellt, welche von allen am Eingliederungsprozess beteiligten Parteien zu unterschreiben ist.

Massnahmen der Frühintervention

Personen, die ganz oder teilweise arbeitsunfähig sind, sollen mit Hilfe von Massnahmen der Frühintervention ihren bestehenden Arbeitsplatz behalten oder an einem neuen Arbeitsplatz innerhalb oder ausserhalb des bisherigen Betriebes eingegliedert werden. Sie setzen deshalb auch ein, wenn noch nicht feststeht, ob die versicherte Person im Sinne des Gesetzes invalid ist oder nicht.

Die Massnahmen der Frühintervention müssen leicht durchführbar und kostengünstig sein. Dazu gehören:

• Anpassung des Arbeitsplatzes • Ausbildungskurse • Arbeitsvermittlung • Berufsberatung • sozialberufliche Rehabilitation • Beschäftigungsmassnahmen

Es besteht kein Rechtsanspruch auf Frühinterventionsmassnahmen

Während der Durchführung dieser Massnahmen werden keine Taggelder der IV ausbezahlt.

Dauer und Ende der Frühintervention

Die Frühintervention erstreckt sich in der Regel über eine Dauer von sechs Monaten ab Einreichung der IV-Anmeldung und endet mit dem Grundsatzentscheid, welcher festhält, ob der Eingliederungsweg gewählt werden soll oder ob die Rentenfrage zu prüfen ist.

Der Frühinterventionsprozess wird abgeschlossen mit

• dem Entscheid bezüglich Massnahmen beruflicher Art oder Integrationsmassnahmen, oder • der Mitteilung, die Rentenfrage werde geprüft, oder • einer ablehnenden Leistungsverfügung.

Auskünfte und weitere Informationen

Die IV-Stellen, AHV-Ausgleichskassen und ihre Zweigstellen geben gerne Auskunft. Das Verzeichnis aller Ausgleichskassen mit den entsprechenden Adressen und Telefonnummern befindet sich auf den letzten Seiten jedes Telefonbuchs.

Die Anmeldung

Zum Bezug von Leistungen der IV müssen versicherte Personen bei der IV-Stelle ihres Wohnsitzkantons eine Anmeldung einreichen. Für im Ausland wohnhafte Versicherte ist die IV-Stelle für Versicherte im Ausland zuständig. Das amtliche Anmeldeformular kann bei den IV-Stellen, den Ausgleichskassen und ihren Zweigstellen sowie unter www.ahv-iv.info bezogen werden.

Einen Anspruch anmelden können:

· die versicherte Person oder ihr gesetzlicher Vertreter,
· Behörden oder Dritte,die die versicherte Person regelmässig unterstützen oder dauernd betreuen.

Die versicherte Person muss die Anmeldung zum Bezug von Leistungen eigenhändig unterschreiben. Die Anmeldung soll frühzeitig erfolgen, wenn der Gesundheitsschaden Leistungen der IV auslösen kann. Eine verspätete Anmeldung kann einen Verlust von Leistungen zur Folge haben.

Was geschieht nach der Anmeldung?

Die IV-Stelle klärt den Anspruch ab

Nach Eingang der Anmeldung prüft die IV-Stelle, ob die Voraussetzungen für den Anspruch auf Leistungen der IV erfüllt sind. Sie holt alle Auskünfte ein, die für die Abklärung des Gesundheitszustandes, der erwerblichen Situation oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich der versicherten Person notwendig sind.  Ein interdisziplinäres Team (Fachpersonen der beruflichen Eingliederung, der Arbeitsvermittlung, der Abklärungsstellen, der Sachbearbeitung, des Rechtsdienstes, sowie Ärzte und Ärztinnen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) wirkt bei der Abklärung und der Entscheidfindung mit. Die IV-Stellen arbeiten mit den anderen betroffenen Sozial- und Privatversicherungen eng zusammen.  Ärzte und Ärztinnen der RAD prüfen die medizinischen Anspruchsvoraussetzungen. Bei Bedarf untersucht ein Arzt oder eine Ärztin des RAD die versicherte Person. Nötigenfalls können die IV-Stellen zusätzliche ärztliche Unterlagen und Gutachten von Fachärzten/Fachärztinnen verlangen oder Untersuchungen in einer medizinischen Abklärungsstelle der IV (MEDAS) veranlassen.  Für die Prüfung des Rentenanspruchs bei Selbständigerwerbenden, bei teilweise oder ganz im Haushalt tätigen Versicherten, sowie des Anspruchs auf eine Hilflosenentschädigung und gewisse Hilfsmittel kann eine Abklärung an Ort und Stelle durch den Abklärungsdienst der IV-Stelle erfolgen.  Das Fachpersonal für berufliche Eingliederung prüft mögliche Integrationsmassnahmen und Massnahmen beruflicher Art. Die versicherte Person wird dabei zu persönlichen Gesprächen eingeladen und im Hinblick auf die berufliche Eingliederung beraten. Es wird ein Eingliederungsplan erstellt und dessen Umsetzung in die Wege geleitet.  Es können Massnahmen der Frühintervention angeordnet werden, um den bestehenden Arbeitsplatz zu erhalten oder die betroffene Person in einen anderen Arbeitsplatz einzugliedern.  Die IV-Stelle fasst in der Regel innerhalb von sechs Monaten ab Einreichung der IV-Anmeldung den Grundsatzentscheid, ob der Eingliederungsweg gewählt werden kann oder ob die Rentenfrage zu prüfen ist.

IV-Stellen und Ausgleichskassen

In jedem Kanton gibt es eine IV-Stelle . Sie entscheidet darüber, auf welche Leistungen der IV die Versicherten Anspruch haben. Für die Berechnung und Auszahlung der Taggelder und IV-Renten sind die Ausgleichskassen zuständig.

Welche Mitwirkungspflicht haben die Versicherten?

Die Versicherten haben die Pflicht zur Selbsteingliederung Versicherte Personen müssen alles ihnen Zumutbare vorkehren, um den Eintritt einer Invalidität zu verhindern. Alle jene Massnahmen gelten als zumutbar, die dem Gesundheitszustand angemessen sind.

Von den Versicherten wird erwartet, dass sie sich aktiv an der Umsetzung aller zumutbaren Abklärungs- und Eingliederungsmassnahmen (wie Massnahmen beruflicher Art oder medizinische Behandlungen) beteiligen, damit der bestehende Arbeitsplatz erhalten bleibt, eine vergleichbare Tätigkeit ausgeübt oder eine anderweitige Eingliederung ins Berufsleben stattfinden kann.

Sie haben die IV-Stellen beim Einholen der notwendigen Unterlagen zu unterstützen und erhebliche Änderungen der beruflichen, familiären und gesundheitlichen Situation zu melden.

Kommt die versicherte Person diesen Verpflichtungen nicht nach, können die Leistungen gekürzt oder verweigert werden.

Was können Versicherte tun, wenn sie mit dem Entscheid nicht zufrieden sind? Der Vorbescheid Nach Abschluss aller notwendigen Abklärungen erhalten die Versicherten und die betroffenen Versicherungsträger von der IV-Stelle einen Vorbescheid, der über den vorgesehenen Entscheid informiert. Innert 30 Tagen können diese Akteneinsicht nehmen und sich zum geplanten Entscheid äussern.

Die Verfügung

Erhebt die versicherte Person keine Einwände und gehen innerhalb der gesetzten Frist auch keine Stellungnahmen von den Parteien ein, erlässt die IV-Stelle die Verfügung. Bringen die versicherten Personen oder die Parteien Einwände vor, ist die IV-Stelle gehalten, in der Verfügung zu diesen Stellung zu nehmen und diese zu berücksichtigen.

Die Beschwerde

Die versicherte Person und die beteiligten Parteien, die mit der Verfügung nicht einverstanden sind, können innerhalb von 30 Tagen beim kantonalen Versicherungsgericht des Wohnsitzkantons schriftlich Beschwerde erheben. Versicherte mit Wohnsitz im Ausland richten die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht in Bern. Gegen ein Urteil des kantonalen Versicherungsgerichts oder des Bundesverwaltungsgerichts kann in der Folge bei der sozialversicherungsrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts in Luzern Beschwerde erhoben werden. Die schriftliche Beschwerde ist innerhalb von 30 Tagen einzureichen. Das Beschwerdeverfahren betreffend IV-Leistungen ist kostenpflichtig.

Welche Leistungen erbringt die IV?

Eingliederung vor Rente

Das erste Ziel der Invalidenversicherung ist es, behinderte Personen soweit zu fördern, dass sie ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise aus eigener Kraft bestreiten und ein möglichst unabhängiges Leben führen können. Entsprechend sind auch die Leistungen der IV auf dieses Ziel ausgerichtet: An erster Stelle stehen die Eingliederungsmassnahmen. Sie dienen dazu, die Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich zu verbessern oder zu erhalten. Die behinderten Personen sollen möglichst weiterhin erwerbstätig oder in ihrem bisherigen Arbeitsbereich (z.B. im Haushalt) tätig bleiben können. Erst an zweiter Stelle steht die Invalidenrente. Sie wird nur dann ausgerichtet, wenn die Eingliederungsmassnahmen nicht oder nicht im erwünschten Ausmass erfolgreich waren. Behinderte Personen, die auf die Hilfe Dritter angewiesen sind, können zudem Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung haben.

Die Leistungen der IV

· Massnahmen der Frühintervention
· Eingliederungsmassnahmen
· Invalidenrenten
· Hilflosenentschädigung

Die Beitragspflicht besteht weiter

Auch wer IV-Leistungen bezieht, muss weiterhin bis zum Erreichen des AHV-Alters Beiträge an AHV/IV und EO leisten. Falls IV-Rentnerinnen und -Rentner keinerlei Erwerbseinkommen mehr erzielen, müssen sie sich als Nichterwerbstätige bei der kantonalen Ausgleichskasse ihres Wohnsitzes melden, damit ihre Beitragspflicht weiterhin erfüllt werden kann. Geschieht dies nicht, besteht das Risiko einer Beitragslücke. Die künftige AHV-Rente kann dadurch geschmälert werden.

Was sind Eingliederungsmassnahmen?

Massnahmen zur dauernden und wesentlichen Verbesserung der Erwerbstätigkeit Damit behinderte Personen weiterhin erwerbstätig oder in ihrem bisherigen Arbeitsbereich tätig bleiben können, werden sie von der IV mit verschiedenen Eingliederungsmassnahmen unterstützt. Weiterführende Informationen finden Sie im Kapitel Berufliche Eingliederungsmassnahmen der IV.

Wann erhalten Versicherte Invalidenrenten?

Wenn Eingliederungsmassnahmen keinen Erfolg haben Invalidenrenten werden ausgerichtet, wenn Eingliederungsmassnahmen ihr Ziel nicht oder nur teilweise erreichen.


Wie wird der Invaliditätsgrad bemessen?

Nach der Höhe der Erwerbseinbusse in Prozent

Um den Grad der Invalidität zu bestimmen, unterscheidet die IV zwischen:
· Erwerbstätigen
· Nichterwerbstätigen und
· teilweise Erwerbstätigen
Bei Erwerbstätigen bemisst die IV-Stelle den Invaliditätsgrad mit einem Einkommensvergleich. Sie ermittelt dabei zuerst das Erwerbseinkommen, das ohne den Gesundheitsschaden erzielt werden könnte. Davon zieht sie das Erwerbseinkommen ab, das nach dem Gesundheitsschaden und nach der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen auf zumutbare Weise erreicht werden könnte, unabhängig davon, ob dieses Einkommen tatsächlich erzielt wird. Daraus ergibt sich ein Fehlbetrag: die invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse. Drückt man diesen in Prozenten aus, erhält man den Invaliditätsgrad. Findet also ein Handwerker, der wegen eines Rückenleidens den Beruf aufgeben musste, nur noch eine leichtere Arbeit, bei der er wesentlich weniger verdient, wird der Invaliditätsgrad folgendermassen berechnet:

Einkommen als gelernter Handwerker Fr. 50 000.—
Zumutbares Einkommen bei leichterer Arbeit Fr. 22 000.—
Differenz Fr. 28 000.—

Die Erwerbseinbusse von Fr. 28 000.- entspricht 56%. Damit liegt auch der Invaliditätsgrad des Handwerkers bei 56%, was zu einer halben Rente führt (vgl. Grafik).  Bei Nichterwerbstätigen bemisst die IV-Stelle den Invaliditätsgrad mit einem Betätigungsvergleich: Fachleute der IV klären an Ort und Stelle ab, wie stark sich die Behinderung im bisherigen Aufgabenbereich, also zum Beispiel im Haushalt, auswirkt.  Bei teilweise Erwerbstätigen bemisst die IV-Stelle den Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen: im Erwerbsleben (Erwerbseinbusse) und im bisherigen Aufgabenbereich (Betätigungsvergleich).

Wie wird die Höhe der IV-Renten berechnet?

Nach Versicherungsdauer und Einkommen

Zur Berechnung des IV-Rentenbetrags wird das gleiche System wie bei den AHV-Renten angewendet: Ausschlaggebend ist, wie lange die behinderte Person versichert und wie hoch ihr durchschnittliches Einkommen war. Die ausbezahlten Beträge der IV-Renten sind gleich hoch wie diejenigen der AHV. Die maximale Rente ist doppelt so hoch wie die minimale Rente.

Der Invaliditätsgrad bestimmt die Rente 

 invaliditaetsgrad

Wann beginnt der Anspruch auf IV-Renten?

Nach Ablauf der Wartezeit

Der Anspruch auf eine IV-Rente beginnt frühestens nach Ablauf einer einjährigen Wartezeit. Während dieses Jahres muss die Arbeitsunfähigkeit durchschnittlich mindestens 40 Prozent betragen, und nach Ablauf dieser Frist muss weiterhin eine Erwerbsunfähigkeit in mindestens gleichem Ausmass vorliegen.  Zudem entsteht der Rentenanspruch frühestens sechs Monate nach dem Einreichen der Anmeldung bei der IV-Stelle und frühestens in jenem Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt.

Arbeitsunfähigkeit ist nicht gleich Erwerbsunfähigkeit

Die IV unterscheidet zwischen Arbeitsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit: Arbeitsunfähig ist, wer aufgrund des Gesundheitsschadens im bisherigen Beruf oder im bisherigen Aufgabenbereich nicht mehr tätig sein kann. Der Grad der Arbeitsunfähigkeit wird durch den Arzt festgelegt.  Erwerbsunfähig ist, wer aufgrund des Gesundheitsschadens auf dem gesamten in Betracht kommenden Arbeitsmarkt keine Erwerbsarbeit mehr ausüben kann. Für die Bemessung des Invaliditätsgrads ist ausschliesslich die Erwerbsunfähigkeit massgebend. Dieser wird von der IV-Stelle festgelegt.

Wann endet der Anspruch auf IV-Renten?

Spätestens im AHV-Alter

Der Anspruch auf IV-Renten erlischt, wenn die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind, spätestens aber, wenn der IV-Rentner oder die IV-Rentnerin das AHV-Alter erreicht bzw. Anspruch auf eine Altersrente hat.


Weitere Informationen unter:

http://www.ahv-iv.info/iv/index.html?lang=de, Webseite der Schweizerischen Invalidenversicherung
http://www.ivbe.ch/content/default.asp?txtCatID=1, Webseite der IV-Stelle Bern

One Reply to “Invalidenversicherung (IV)”

  1. Ein sehr informativer Artikel mit wichtigen Informationen. In diesem Bereich kommen doch immer wieder Fragen auf. Da ist es gut sich auch hier darüber informieren zu können, zumal es auch in diesem Bereich einiges zu beachten gibt.

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