Arbeitslosigkeit / RAV

Nico Hirschi

Dipl. Pflegefachmann Psychiatrie HF
DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern

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Bin ich gegen Arbeitslosigkeit versichert?

In der Schweiz sind praktisch alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer obligatorisch gegen Arbeitslosigkeit versichert. Die Versicherungspflicht deckt sich weitgehend mit jener in der AHV. Nicht automatisch versichert sind selbständig erwerbende Personen.

Wann habe ich Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung (ALE)?

Das Recht auf ALE hängt von 7 Anspruchsvoraussetzungen ab:

  • Arbeitslos
    Sie müssen ganz oder teilweise arbeitslos sein. Sie sind ebenfalls versichert, wenn sie eine Teilzeitstelle haben und eine Vollzeit- oder eine weitere Teilzeitbeschäftigung suchen. Wichtig: Sie gelten erst dann als arbeitslos, wenn sie sich bei Ihrer Wohngemeinde (oder bei der zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungsstelle [RAV]) persönlich gemeldet haben.
  • Lohneinbusse / Arbeitsausfall
    Sie müssen einen Mindestausfall von 2 Arbeitstagen und eine Lohneinbusse aufweisen.
  • Wohnen in der Schweiz
    Ihre Staatsangehörigkeit spielt für den Anspruch auf Entschädigung keine Rolle. Sie müssen aber in der Schweiz wohnen (Ausländerinnen und Ausländer müssen eine gültige Niederlassungs- oder Aufenthaltsbewilligung haben).
  • Erwerbsalter
    Sie müssen im Erwerbsalter stehen (Ende der obligatorischen Schulzeit bis zu Beginn des ordentlichen AHV-Alters [Frauen 64. Altersjahre, Männer 65. Altersjahre]).
  • Beitragszeit
    Sie müssen innerhalb der letzten 2 Jahre vor der Erstanmeldung mindestens 12 Beitragsmonate nachweisen, das heisst, als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer gearbeitet haben. Es existieren noch weitere Bestimmungen für spezielle Arbeitsverhältnisse. Diese können Sie bei Ihrem Sozialdienst erfragen.
  • Vermittlungsfähig
    Sie müssen vermittlungsfähig sein. Vermittlungsfähig bedeutet, Sie sind bereit, in der Lage und berechtigt, eine zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen.
  • Kontrollvorschriften
    Sie müssen entsprechend den Anordnungen des RAV persönlich am Informationstag und an Beratungs- und Kontrollgesprächen teilnehmen. Sie müssen ferner alles Zumutbare unternehmen, um die Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen.

Welche Pflichten muss ich beachten?

Sie sind verpflichtet, alles Zumutbare zur Vermeidung und zur Verkürzung ihrer Arbeitslosigkeit zu unternehmen. Dies bedeutet:

  • Sie müssen sich gezielt, in der Regel in Form einer ordentlichen Bewerbung, um eine neue Stelle bemühen, wenn nötig auch ausserhalb des bisherigen Berufes. Bewerbungen ohne Vorliegen konkreter Stellenangebote (sogenannte Blindbewerbungen) dienen nur als Ergänzung. Sie haben ihre Bemühungen über ihre Stellensuche gegenüber dem RAV monatlich nachzuweisen.
  • Sie müssen eine zumutbare Stelle annehmen.

Zudem sind Sie verpflichtet, jegliche Änderung im Zusammenhang mit ihrem ALE-Anspruch Ihren Vollzugsstellen mitzuteilen. Das kann sein: Erzielung eines Zwischenverdienstes, Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit, Krankheit oder Unfall usw.

Wann ist eine Arbeit zumutbar / unzumutbar?

Im Allgemeinen haben Sie jede zumutbare Arbeit anzunehmen, um die Arbeitslosenkasse möglichst wenig zu belasten. Eine Arbeit ist nicht zumutbar, wenn sie

  • nicht den üblichen Arbeitsbedingungen für die betreffende Stelle entspricht.
  • Ihre Eignung und die zuvor von Ihnen ausgeübte Arbeit nicht angemessen berücksichtigt.
  • nicht Ihren persönlichen Bedingungen entspricht (Alter, Gesundheit, familiäre Situation).
  • einen Arbeitsweg von über 4 Stunden täglich bedingt.
  • in beträchtlichem Mass die Rückkehr in Ihren Beruf gefährdet, falls diese Aussicht in einer vernünftigen Frist besteht.
  • einen Lohn einbringt, der unter Ihrer Arbeitslosenentschädigung liegt, ausser wenn Sie wegen eines Übergangverdienstes Zusatzentschädigungen erhalten.

Wie hoch ist mein Taggeld?

Als Basis für die Auszahlung gilt der so genannte versicherte Verdienst. Dieser wird von der Arbeitslosenkasse normalerweise aufgrund der Einkommen der letzten 6 Monate festgesetzt. Aus dem versicherten Verdienst wird ein Taggeld berechnet, das je nach persönlichen Verhältnissen 70% oder 80% des versicherten Verdienstes beträgt. Sie erhalten pro Woche 5 Taggelder (Montag bis Freitag). Da die Anzahl der Werktage je nach Monat unterschiedlich ist, schwankt dementsprechend auch die monatlich ausbezahlte ALE. Sie erhalten eine ALE in der Höhe von 80% des versicherten Verdienstes,

  • wenn Sie Unterhaltspflichten gegenüber eigenen Kindern haben.
  • wenn Ihr versicherter Verdienst 3’797 Franken nicht übersteigt (Stand 2007).
  • wenn Sie invalid sind

In allen übrigen Fällen erhalten Sie eine ALE in der Höhe von 70% des versicherten Verdienstes. Von der ALE sind die sozialversicherungsrechtlichen Beiträge (AHV/IV/EO, NBU, berufliche Vorsorge) und bei ausländischen Staatsangehörigen eventuell die Quellensteuern in Abzug zu bringen. Sofern Sie Unterhaltspflichten gegenüber Kinder haben, haben Sie Anspruch auf Kinder- und Ausbildungszulagen.

Wie viele Taggelder kann ich beziehen?

Wie im Gesetz über die Arbeitslosenversicherung festgeschrieben, kann die Höchstdauer für den Leistungsbezug zwei Jahre betragen. Stichtag für den Beginn dieser 2jährigen Rahmenfrist für den Leistungsbezug ist der erste Tag, an dem sie alle Anspruchsvoraussetzungen erfüllen. Sie haben Anspruch auf höchstens

  • 400 Taggelder, wenn Sie in den letzten 2 Jahren vor diesem Stichtag während mindestens 12 Monaten als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer tätig waren.
  • 520 Taggelder, wenn Sie in den letzten 2 Jahren vor diesem Stichtag während mindestens 18 Monaten als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer tätig waren und das 55. Altersjahr zurückgelegt haben; zusätzliche 120 Taggelder erhalten Sie, wenn Sie innerhalb der letzten 4 Jahre vor Erreichen des AHV-Rentenalters arbeitslos geworden sind.
  • 520 Taggelder, wenn Sie in den letzten 2 Jahren vor diesem Stichtag während mindestens 18 Monaten als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer tätig waren und eine Rente der IV oder Suva beziehen oder eine solche beantragt haben und der Antrag nicht aussichtslos erscheint.
  • Anspruch auf zusätzliche 120 Taggelder haben Sie, wenn Sie innerhalb der letzten 4 Jahre vor Erreichen des AHV-Rentenalters arbeitslos geworden sind.
  • 260 Taggelder, gemäss speziellen Bedingungen für Erziehungsberechtigte.

Wann wird die Arbeitslosenentschädigung ausbezahlt?

Die Arbeitslosenkasse (ALK) zahlt die Taggelder für jeden Monat in der Regel im Laufe des folgenden Monats aus. Sie erhalten eine schriftliche Abrechnung. Für eine möglichst rasche Auszahlung der Taggelder ist es wichtig, dass Sie der ALK sämtliche erforderlichen Unterlagen sobald als möglich einreichen.

Was sind Einstelltage?

Wenn Sie Ihren Verpflichtungen gegenüber dem RAV nicht nachkommen, wird Ihre Arbeitslosenentschädigung vorübergehend eingestellt. Sie erhalten also während dieser Zeit keine Taggelder.

Dies ist namentlich der Fall, wenn Sie

  • durch eigenes Verschulden arbeitslos sind
  • sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit bemühen
  • die Kontrollvorschriften/Weisungen des RAV nicht befolgen, namentlich eine zugewiesene zumutbare Arbeit nicht annehmen, oder eine arbeitsmarktliche Massnahme ohne entschuldbaren Grund nicht antreten oder abbrechen, oder die Massnahme beeinträchtigen oder verunmöglichen.
  • Ihre Wahrheits- und Meldepflichten verletzen
  • zu Unrecht ALE erwirken (Versuch genügt)

Die Einstellungszeit kann 1 – 60 Tage betragen, je nach Schwere des Fehlverhaltens.

Was sind Wartetage?

Der Anspruch auf ALE beginnt grundsätzlich nach einer allgemeinen Wartezeit von 5 Tagen kontrollierter Arbeitslosigkeit. Diese allgemeine Wartezeit gilt nur für Personen, deren versicherter Verdienst aus einer Vollzeitbeschäftigung Fr. 3’000.– übersteigt. Bei Teilzeitbeschäftigung vermindert sich dieser Betrag im Verhältnis zum Beschäftigungsgrad. Zusätzlich haben Sie in gewissen Fällen zu der allgemeinen Wartezeit von 5 Tagen 1, 5 oder 120 besondere Wartetage zu bestehen.

  • 1 Tag, wenn Sie vor Ihrer Arbeitslosigkeit eine Saisontätigkeit oder eine Tätigkeit in einem Beruf ausgeübt haben, in dem häufig wechselnde oder befristete Anstellungen üblich sind.
  • 5 Tage, wenn Sie namentlich wegen Ausbildung, langandauernder Krankheit, Mutterschaft, Unfall, Invalidität oder Tod des Ehegatten oder der Ehegattin, Trennung, Ehescheidung, Aufenthalt in einer schweizerischen Anstalt, Rückkehr nach einem Arbeitsaufenthalt ausserhalb eines EU/EFTA-Staates von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind.
  • 120 Tage, wenn Sie weniger als 25 Jahre alt sind, keine Unterhaltspflichten gegenüber Kindern haben, über keinen Berufsabschluss verfügen und wegen Ausbildung, Umschulung oder Weiterbildung von der Erfüllung der Beitragszeit befreit sind.

Als Wartetage gelten nur diejenigen Tage, an denen Sie sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllen.

Wie erhebe ich Einsprache?

Jede Verfügung enthält eine Rechtsmittelbelehrung, welche Ihnen sagt, innert welcher Frist und bei welcher Stelle Sie Einsprache erheben können. Die Einsprache ist schriftlich einzureichen. Geben Sie an, wieso Sie mit der Verfügung nicht einverstanden sind (Begründung) und welchen Entscheid Sie wünschen (Begehren). Der Einsprache legen Sie die Verfügung, die Sie anfechten wollen, sowie allfällige Beweismittel bei. Das Einspracheverfahren ist kostenlos und endet mit einem Einspracheentscheid. Wenn Sie mit diesem Entscheid nicht einverstanden sind, können Sie ihn beim kantonalen Versicherungsgericht mit einer Beschwerde anfechten.

Was sind kontrollfreie Tage?

Nach 60 Tagen kontrollierter Arbeitslosigkeit haben Sie Anspruch auf 5 Tage „Kontrollferien“ (1 Woche) zugute. Das sind Tage, während denen sie von der Erfüllung der Kontrollvorschriften befreit sind, keine Arbeitsbemühungen unternehmen und auch nicht vermittlungsfähig sein müssen.

Welche Leistungen erhalte ich, wenn ich wegen Krankheit oder Unfall die Kontrollvorschriften nicht erfüllen kann?

Sie müssen dies Ihrem RAV unverzüglich melden. Bei Krankheit besteht ein Anspruch auf ALE nur für die ersten 30 Tage Ihrer Arbeitsunfähigkeit. Innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug sind die Taggelder auf 44 beschränkt. Bei Unfall erhalten Sie noch während 2 Tagen Leistungen von der ALV. Ab dem dritten Tag erhalten Sie Taggelder von der Suva.

Wiedereingliederungsmassnahmen

Wenn Sie Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung haben, erfüllen Sie grundsätzlich auch die Bedingungen zur Teilnahme an arbeitsmarktlichen Massnahmen. Diese Wiedereingliederungsmassnahmen sollen Ihnen helfen, auf dem Arbeitsmarkt schneller eine dauerhafte Anstellung zu finden.

Einige Bsp: von Wiedereingliederungsmassnahmen:

  • Kurse
  • Ausbildungspraktikum
  • Ausbildungszuschüsse
  • Teilnahme in einer Übungsfirma
  • Einarbeitungszuschüsse
  • Motivationsseminar
  • Teilnahme an einem Programm zur vorübergehenden Beschäftigung
  • Berufspraktikum
  • Spezielle Massnahmen bei Massenentlassungen

Zwischenverdienst

Der Zwischenverdienst ist eine Übergangslösung. Sie suchen weiter nach einer Stelle, verrichten aber vorübergehend eine Arbeit, welche nicht eigentlich Ihrem Wunsch entspricht. Die Arbeitslosenversicherung kompensiert Ihren Minderverdienst im Vergleich zu Ihrem früheren Einkommen, so dass Sie mit Ihrer Arbeit ein höheres Einkommen erzielen, als wenn Sie Taggelder erhalten.

Vor Eintritt der Arbeitslosigkeit

Ist Ihnen Ihre Stelle gekündigt worden, so prüfen Sie zuerst, ob die Kündigungsfrist eingehalten wurde. Ist nichts anderes schriftlich vereinbart und kein Gesamtarbeitsvertrag anwendbar, so gelten die gesetzliche Kündigungsfristen des Obligationenrechts:

  • Während der Probezeit: 7 Tage auf einen beliebigen Tag
  • Im ersten Dienstjahr: 1 Monat auf das Ende eines Monats
  • Im 2. bis im 9. Dienstjahr: 2 Monate auf das Ende eines Monats
  • Ab dem 10. Dienstjahr: 3 Monate auf das Ende des Monats

Im Zweifelsfall sollten Sie Ihrem Arbeitgeber sofort per Einschreiben erklären, dass Sie weiterarbeiten wollen.

Am ersten Tag der Arbeitslosigkeit

Anmeldung bei der Gemeinde: Melden Sie sich frühzeitig, spätestens jedoch am ersten Tag, für den Sie Leistungen der ALV beanspruchen, persönlich bei der Gemeinde an.

Nehmen Sie zur Anmeldung die folgenden Unterlagen mit:

  • AHV-Ausweis
  • Bei ausländischen Staatsangehörigen: Niederlassungsbewilligung oder Ausländerausweis

Weitere Informationen unter www.treffpunkt-arbeit.ch.

3 Replies to “Arbeitslosigkeit / RAV”

  1. Um die missverständnise zu vermeiden, wäre es besser, das der RAV hilft bei stellensuche, eine Arbeitsangebot wäre genau so hilfreich und wertvoll als Geld. Meine Meinung nach, einen Lohn sollte es nur bezahlt werden bei einzehlne fälle wen der arbeitslose person ist der einziege Verdiener in der familie. Anderen fallen genügt beim stellen suche zu helfen, da es gibt menschen die wirklich eine passende stelle suchen und nicht gerade Geld. Diese wäre sinnvoll und gerechtigkeit !

  2. Zusätzliche 120 Taggelder 4 Jahre vor Erreichen des AHV-Rentenalters:
    Achtung!!! Es gibt eine offizielle Grenzfall-Regelung des SECO für noch „zu junge“ Stellenlose. Die Eröffnung der Rahmenfrist kann nötigenfalls monatelang aufgeschoben werden. Im Kanton Zürich ist die Möglichkeit des aufschiebbaren Rahmenfristbeginns an
    manchen RAV erwiesenermassen unbekannt. Das grenzt an Geheimniskrämerei
    des AWA und/oder unzulängliche Ausbildung des RAV-Personals und ist ein anzuprangernder Missstand.
    Info ist relativ leicht aufzufinden auf «Treffpunkt-Arbeit» > Publikationen > Kreisschreiben >
    AVIG-Praxis ALE > C95 > Beispiel, wirksam versteckt und zudem verkleinert geschrieben auf Seite 210.

  3. RAV ist keine Beratungs und Vermittlungsstelle! Die machen nichts als Kontrolle und schicken Menschen sehr oft sinnlose Kurse machen die der Mensch nicht braucht. Konzentrieren sich nicht auf die Lage, Beruf, Möglichkeiten des Menschen. Sehr oft sitzen Menschen dort die durch B Vitamin zur dieser Stelle gekommen sind und haben Wissen über den Job durch Broschüre die auf dem Regal am Empfang von RAV rumliegt.Ausser Schulden,Psyhoterror, Diskriminierung, Drohungen, hat man dort nicht anders zu erwarten. Das System ist krank und Mehrheit die dort „arbeitet“ ist inkompetent. Solche Erfahrungen habe ich mit diesem RAV. Total krank und absurd ist das ganze

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