Berufstätigkeit

Nico Hirschi

Dipl. Pflegefachmann Psychiatrie HF
DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern

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Was muss in meinem Arbeitsvertrag vorhanden sein?

Die wichtigsten Punkte für jeden Arbeitsvertrag:

  • Arbeitszeit pro Woche
  • Höhe des Lohns: Nach Möglichkeit Monatslohn festlegen
  • Stunden- oder Taglöhne sind bei Absenzen unvorteilhaft
  • 13. Monatslohn: Das Gesetz sieht keinen 13. Monatslohn vor, deshalb muss er unbedingt vertraglich vereinbart werden. Möglichst keine unbestimmten Begriffe wie „Gratifikation“ im Vertrag.
  • Lohnfortzahlung bei Krankheit und Unfall: Wenn immer möglich sollte vom Betrieb eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen werden.
  • Teuerungsausgleich: Das Gesetz sieht keinen Teuerungsausgleich vor. Wenn im Vertrag dazu nichts vereinbart ist, besteht kein Anspruch auf eine Teuerungszulage.
  • Ferienanspruch: Sofern nichts anderes abgemacht wird, gilt das gesetzliche Minimum von vier Wochen.
  • Länge der Kündigungsfrist: Im Gesetz sind nur die Mindestkündigungsfristen festgelegt; längere Kündigungsfristen müssen per Vertrag vereinbart werden. Siehe vor Eintritt der Arbeitslosigkeit.
  • Konkurrenzverbotsklausel vermeiden: Ohne ein vertragliches Konkurrenzverbot ist jeder Arbeitnehmer nach Vertragsende bei der Stellensuche frei; ein Konkurrenzverbot schränkt ihn in seinem beruflichen Fortkommen stark ein.

Krankentaggeld-Versicherungen

Die Krankentaggeld-Versicherungen der Arbeitgeber sind freiwillig.

Für die Angestellten ist das Vorhandensein einer Krankentaggeld-Versicherung sehr vorteilhaft. Denn Lohnausfall bei längeren Krankheiten ist das grösste Risiko eines Beschäftigten. Die Prämien der Krankentaggeld-Versicherungen werden – meistens – von Arbeitgebern und Arbeitnehmern je zur Hälfte bezahlt.

In der Police der Krankentaggeld-Versicherung sind die Ansprüche der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Krankheitsfall genau umschrieben. Der Arbeitgeber muss über die Versicherungsbedingungen Auskunft erteilen. Die meisten Krankentaggeld-Policen sichern eine Lohnfortzahlung von 80 Prozent für 720 Tage innerhalb eines Zeitraumes von 900 Tagen. Von den Zahlungen der Krankentaggeld-Versicherungen müssen keine Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden.

Der Arbeitgeber ist von seiner Lohnfortzahlungspflicht (s. Krankheit und Unfall) nur dann entbunden, wenn die Krankentaggeld-Versicherung auch wirklich zahlt. Erkrankt der Arbeitnehmer an einer vorbestehenden Krankheit, die von der Versicherung beim Abschluss mit einem Vorbehalt belegt worden ist, bleibt der Anspruch der Beschäftigten gegenüber ihrem Arbeitgeber bestehen. Dauert eine Krankheit sehr lange, stellt sich die Frage, ob IV-Renten oder Renten der Pensionskassen vom Krankentaggeld abzuziehen sind. Meistens wird eine Anrechnung in den Versicherungsbedingungen der jeweiligen Krankentaggeld-Versicherung vorgeschrieben. Pensionskassen ihrerseits schieben den Beginn ihrer Leistungen bis zum Ablauf der Taggeldzahlungen hinaus.

Je nach Versicherung unterschiedlich geregelt ist auch der Fall der Teilarbeitsunfähigkeit. Manche Versicherungen kennen noch eine Verdoppelung der Anzahl Taggelder, wenn die Arbeitnehmerin nur zu 50% arbeitsunfähig ist. Die Tendenz geht aber eher dahin, dass es bei 720 Taggeldern bleibt, egal ob die Arbeitsunfähigkeit 50% oder 100% beträgt. Auskunft über solche Fragen geben die allgemeinen Versicherungsbedingungen, die beim Arbeitgeber oder bei der Versicherung angefordert werden können.

Allgemeiner Versicherungsschutz

Berufs-Unfallversicherung

Alle Beschäftigten, selbst solche, die nur einer geringen Teilzeitbeschäftigung nachgehen, sind gegen Berufsunfälle und Berufskrankheiten versichert. Abschliessen und bezahlen muss diese Versicherung der Arbeitgeber.

Nichtberufsunfallversicherung

Wer mindestens 8 Stunden pro Woche bei einem Arbeitgeber beschäftigt ist, ist auch für Unfälle in der Freizeit versichert. Abgesichert sind auch Arbeitslose, die Taggelder bei der Arbeitslosenversicherung beziehen. Der Versicherungsschutz erstreckt sich auch auf Auslandaufenthalte. Die Prämie für die Nichtberufsunfallversicherung kann Arbeitnehmer vom Lohn abgezogen werden. Wer verunfallt ist, kann davon ausgehen, sämtliche Heilungskosten bei Ärzten, Zahnärzten, Chiropraktikern, Masseuren, Heilgymnasten, Physiotherapeuten und bei Pflegepersonal bezahlt zu bekommen. Die Unfallversicherung kommt auch für Arzneimittel und Laboranalysen auf. Gedeckt werden ausschliessliche die Kosten des Spitalaufenthaltes in der allgemeinen Abteilung. Wer einen Unfall erlitten hat, muss keine Franchise oder Kostenbeteiligungen übernehmen. Versicherte haben freie Arzt- und Spitalwahl.

Arbeitszeugnis und Arbeitsbestätigung

Wer in einem Arbeitsverhältnis angestellt ist, hat jederzeit ein Recht auf ein Zeugnis. Das Zeugnis muss Aussagen enthalten über Leistung und Verhalten, und zwar in einer objektiven und fairen Art und Weise.

Grundsätzlich gilt: Jeder Angestellte kann wählen, ob er ein Arbeitszeugnis oder nur eine Arbeitsbestätigung will. Eine Arbeitsbestätigung enthält lediglich den Namen des Beschäftigten, seine Stellung und Funktion im Unternehmen sowie Beginn und Ende des Anstellungsverhältnisses. Ein Arbeitszeugnis muss darüber hinaus die wichtigsten Aufgaben aufzählen, die übertragenen Verantwortungen erwähnen und auf allenfalls erfolgte Beförderungen hinweisen. Von grosser Bedeutung ist die Beurteilung der Arbeitsleistung seitens des Arbeitgebers sowie ein Hinweis auf selbständiges Erledigen der aufgetragenen Arbeiten. Neben der Beschreibung der Leistungen sind Angaben des Arbeitgebers über das Verhalten am Arbeitsplatz und gegenüber Mitarbeitern sowie Kunden obligatorisch. Es ist fakultativ, den Grund der Vertragsauflösung sowie einen Hinweis auf eine mögliche Wiedereinstellung zu nennen. Das Arbeitszeugnis sollte von einem unterschriftsberechtigten Mitglied des Kaders unterzeichnet werden.

Arbeitszeugnisse können sowohl codiert wie auch nicht codiert formuliert werden. Die Form des Arbeitszeugnisses sollte erwähnt sein („Unsere Firma bekennt sich zur Abfassung uncodierter, transparenter Zeugnisaussagen“).

Wer einen Vertrag mit einer Temporärfirma hat, hat ebenfalls Anspruch auf die Ausstellung eines Zeugnisses. Dazu verpflichtet ist die Temporärfirma, nicht etwa der Einsatzbetrieb.

Sinn des Arbeitszeugnisses ist es, den ArbeitnehmerInnen das wirtschaftliche Fortkommen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu erleichtern. Aus diesem Grund sollte nicht nur am Ende eines Arbeitsverhältnisses ans Zeugnis gedacht werden. Gute Zwischenzeugnisse können spätere schlechte Zeugnisse entkräften.

Aushilfs- und Gelegenheitsarbeit (Temporär)

Bei der Aushilfs- oder Gelegenheitsarbeit werden für einzelne kurze Arbeitseinsätze jeweils neue Arbeitsverträge abgeschlossen. Diese Arbeitsverträge sind befristet. Sie enden ohne Kündigung und ohne Einhaltung von Kündigungsfristen mit dem Ablauf der vereinbarten Einsatzzeit. Einen Anspruch auf weitere Einsätze gibt es bei diesen Verträgen nicht. Wegen der kurzen Vertragsdauer entfällt auch meistens der Schutz im Krankheitsfall.

Teilzeitarbeit

Wer Teilzeit arbeitet, hat die gleichen Rechte wie Vollzeitarbeitende. Auch sie haben Anspruch auf Ferien, Freizeit, auf Lohn bei Krankheit usw. im gesetzlich vorgeschriebenen Umfang.

Wer im Jahr nicht mindestens CHF 19’890.- verdient (Stand 2010), bezahlt keine Pensionskassenbeiträge, ist demnach bei der Pensionskasse auch nicht gegen das Risiko einer Invalidität versichert und bildet kein Alterskapital der 2. Säule (ab 25. Altersjahr). Auch bei der AHV wird sich die Teilzeitarbeit dereinst im Alter in Form von niedrigeren Renten niederschlagen.

Arbeit auf Abruf

Dieser Arbeitsvertrag ist für die Arbeitnehmenden mit vielen Nachteilen verbunden. Es besteht häufig kein Anspruch auf eine Beschäftigung. Am negativsten fällt ins Gewicht, dass man nie im Voraus weiss, wie viel man am Ende des Monats im Portemonnaie hat. Deshalb gilt: Wenn immer möglich sollten nur Arbeitsverträge mit einer bestimmten Mindeststundenzahl pro Woche – und damit einem voraussehbaren Verdienst – abgeschlossen werden.

Krankheit und Unfall

Wer wegen Krankheit oder Unfall nicht arbeiten kann, hat trotzdem für eine gewisse Zeit Anspruch auf Lohn. Wie lange jemand auf den Lohn zählen kann, ist unterschiedlich. Anspruch auf Lohn bei Krankheit hat, wer mehr als drei Monate beim gleichen Arbeitgeber gearbeitet hat oder für länger als drei Monate eingestellt worden ist. Während mindestens drei Wochen pro Jahr muss dann bei Krankheit das Gehalt weiter bezahlt werden. Fürs erste Dienstjahr schreibt das Gesetz drei Wochen vor, für die übrigen Dienstjahre spricht es von einer angemessenen längeren Zeit (diese ist regional verschieden).

Weitere Informationen zu Arbeitsrecht, Arbeitslosigkeit, Krankentaggeld-Versicherung usw. unter http://syndikat.ch/navi6/.

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