Stress und Bewältigung
Was ist Stress?
Stress gehört zum Leben. Stress ist eine natürliche Reaktion
auf Druck, Veränderung oder Spannung. Eine gewisse Dosis an Stress
kann das Leben interessanter machen (Eustress). Ohne ein gewisses Mass
an Stress können wir nicht gesund sein. Allerdings sollte sich dieser
in Grenzen halten, und diese Grenzen sind bei jedem Menschen verschieden.
Zu viel Stress kann schädlich sein, Krankheiten und Unfälle
verursachen. Es ist ganz allgemein und für alle Menschen wichtig,
Stresssymptome bei sich erkennen zu lernen, um Schritte gegen schädlichen
Stress (Distress) einleiten zu können.
Wie wirkt sich Stress auf Psychosen aus?
Wie bereits im Kapitel Psychose beschrieben,
haben Menschen mit Psychoseerfahrungen eine „dünnere Haut“,
sie können durch grosse Sensibilität und Kreativität auffallen,
jedoch auch auf Stressoren sensibler reagieren. Im schlimmsten Fall kann
durch zu grossen Stress eine erneute psychotische Episode ausgelöst
werden. Betroffene können aber lernen – wenn sie es nicht schon
können – mit Stress anders umzugehen, d.h., schädlichen
Stress möglichst zu umgehen und/oder, wenn dies nicht möglich
ist, Strategien und Massnahmen zu finden, um diesen zu reduzieren.
Was können Stress-Auslöser sein?
Es gibt viele verschiedene Stress-Auslöser. Sie werden individuell
unterschiedlich bewertet, d.h. nicht alle Menschen beurteilen die gleiche
Situation als schädlichen Stress. Diese Beurteilung geschieht bei
jedem Menschen automatisch und ist von unserem allgemeinen Gesundheitszustand,
von Erziehung und Erbanlagen abhängig.
Hier eine Auswahl möglicher Stress-Auslöser:
Sich verlieben / Beginn einer neuen Liebesbeziehung
Heirat
Beziehungskrise
Trennung / Scheidung
Geburt eines Kindes
Schul- oder Ausbildungsbeginn / -abschluss
Beförderung / Veränderung der beruflichen Aufgaben
Neue Arbeitsstelle / Arbeitsplatzverlust
Urlaub
Umzug / neue Wohnform
Todesfall
Durchfeiern der Nächte
Über- oder Unterforderung am Arbeitsplatz
Zu hohe eigene Ansprüche
Zu hohe Erwartungen von aussen
Minderwertigkeitsgefühle
Schuldgefühl
Verantwortung für andere (Kinder, Eltern etc.)
Zeitdruck
Einsamkeit / Isolation
Drogenkonsum
Doppelbelastung Beruf – Familie
Finanzielle Probleme
Gesundheitliche Beschwerden
Ablösung vom Elternhaus
Schwangerschaft
Unbefriedigende Wohnverhältnisse (dunkel, eng, lärmig, Konflikte
mit Nachbarn)
Veränderung oder Absetzen der Medikation
Spannungsreiches Familien- oder Beziehungsklima
Andere Veränderungen der Lebensumstände
usw.
Wie erkenne ich Stress?
Stress kann viele Gesichter haben. Neben klassischen Stresssymptomen
wie Migräne oder Magenschmerzen gibt es auch eine ganze Reihe individueller
Symptome für Stress, welche jeder Betroffene selbst herausfinden
muss.
Hier eine Auswahl möglicher klassischer Stresssymptome:
Kopfschmerzen / Migräne
Nervosität
Gedanken nicht „abschalten“ können
Magenschmerzen
Angespanntheit / nicht Entspannen können
Irritierbarkeit / Gereiztheit
Durchfall
Verstopfung
Mangel an Energie / Müdigkeit
Gefühl der Hoffnungslosigkeit
Konzentrationsprobleme
Übermässiges Essen
Auslassen von Mahlzeiten / Appetitlosigkeit
Häufige Erkältungen
Ärger
Vergesslichkeit
Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen
Schlaflosigkeit
usw.
Wie begegne ich Stress?
Für alle Menschen und für Menschen mit Psychose-Erfahrungen
im Besonderen gilt es hier, eine gesunde Balance zwischen Stress und Entspannung
zu finden. Dies fällt nicht allen gleich leicht. Es geht darum, sich
bewusst zu machen, was man den ganzen Tag tut, und wie man sich dabei
fühlt. Dies erfordert die Fähigkeit, in sich hineinzuhören,
sich mit anderen Menschen (z.B. Angehörigen, Freunden) auszutauschen
und die erworbenen Erkenntnisse gezielt in individuellen, konkreten „Anti-Stress-Massnahmen“
umzusetzen. Auch spielen individuelle Stressoren eine grosse Rolle (nach
dem Motto: „wie viel Mutter ertrage ich heute...?“), welchen
man ebenfalls mit gezielten Massnahmen begegnen sollte.
Allgemein können zur Entlastung Belastungsfaktoren ausgeschaltet
werden, d.h. vorgenommene Dinge werden gestrichen oder verschoben. Zudem
kann man sich bewusst zu entspannen versuchen, z.B. Dinge tun, die einem
Freude bereiten.
Quellen:
Bäuml, Pitschel-Walz, Psychoedukation bei schizophrenen
Erkrankungen, Schattauer, Stuttgart, 2003
Knuf, Seibert, Selbstbefähigung fördern, Empowerment
und psychiatrische Arbeit, Psychiatrie-Verlag, Bonn, 2000
www.schizophrenia.com,
Information, Support, Education (englisch)
www.rhetorik.ch/Stress/Stress.html,
Stress und Entspannung
www.feelok.ch/v1/start/inhalte/stress.htm,
Frust und Ärger, Site „Info zum Stress“
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