Stress und Bewältigung

Nico Hirschi

Dipl. Pflegefachmann Psychiatrie HF
DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern

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Was ist Stress?

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Stress gehört zum Leben. Stress ist eine natürliche Reaktion auf Druck, Veränderung oder Spannung. Eine gewisse Dosis an Stress kann das Leben interessanter machen (Eustress). Ohne ein gewisses Mass an Stress können wir nicht gesund sein. Allerdings sollte sich dieser in Grenzen halten, und diese Grenzen sind bei jedem Menschen verschieden. Zu viel Stress kann schädlich sein, Krankheiten und Unfälle verursachen. Es ist ganz allgemein und für alle Menschen wichtig, Stresssymptome bei sich erkennen zu lernen, um Schritte gegen schädlichen Stress (Distress) einleiten zu können.

Wie wirkt sich Stress auf Psychosen aus?

Wie bereits im Kapitel Psychose beschrieben, haben Menschen mit Psychoseerfahrungen eine „dünnere Haut“, sie können durch grosse Sensibilität und Kreativität auffallen, jedoch auch auf Stressoren sensibler reagieren. Im schlimmsten Fall kann durch zu grossen Stress eine erneute psychotische Episode ausgelöst werden. Betroffene können aber lernen – wenn sie es nicht schon können – mit Stress anders umzugehen, d.h., schädlichen Stress möglichst zu umgehen und/oder, wenn dies nicht möglich ist, Strategien und Massnahmen zu finden, um diesen zu reduzieren.

Was können Stress-Auslöser sein?

Es gibt viele verschiedene Stress-Auslöser. Sie werden individuell unterschiedlich bewertet, d.h. nicht alle Menschen beurteilen die gleiche Situation als schädlichen Stress. Diese Beurteilung geschieht bei jedem Menschen automatisch und ist von unserem allgemeinen Gesundheitszustand, von Erziehung und Erbanlagen abhängig.

Hier eine Auswahl möglicher Stress-Auslöser:

Sich verlieben / Beginn einer neuen Liebesbeziehung
Heirat
Beziehungskrise Trennung / Scheidung
Geburt eines Kindes
Schul- oder Ausbildungsbeginn / -abschluss
Beförderung / Veränderung der beruflichen Aufgaben
Neue Arbeitsstelle / Arbeitsplatzverlust
Urlaub
Umzug / neue Wohnform
Todesfall
Durchfeiern der Nächte
Über- oder Unterforderung am Arbeitsplatz
Zu hohe eigene Ansprüche
Zu hohe Erwartungen von aussen
Minderwertigkeitsgefühle
Schuldgefühl
Verantwortung für andere (Kinder, Eltern etc.)
Zeitdruck
Einsamkeit / Isolation
Drogenkonsum
Doppelbelastung Beruf – Familie
Finanzielle Probleme
Gesundheitliche Beschwerden
Ablösung vom Elternhaus
Schwangerschaft
Unbefriedigende Wohnverhältnisse (dunkel, eng, lärmig, Konflikte mit Nachbarn) Veränderung oder Absetzen der Medikation
Spannungsreiches Familien- oder Beziehungsklima
Andere Veränderungen der Lebensumstände  usw.

Wie erkenne ich Stress?

Stress kann viele Gesichter haben. Neben klassischen Stresssymptomen wie Migräne oder Magenschmerzen gibt es auch eine ganze Reihe individueller Symptome für Stress, welche jeder Betroffene selbst herausfinden muss.

Hier eine Auswahl möglicher klassischer Stresssymptome:

Kopfschmerzen / Migräne
Nervosität
Gedanken nicht „abschalten“ können
Magenschmerzen
Angespanntheit / nicht Entspannen können
Irritierbarkeit / Gereiztheit
Durchfall
Verstopfung
Mangel an Energie / Müdigkeit
Gefühl der Hoffnungslosigkeit
Konzentrationsprobleme
Übermässiges Essen
Auslassen von Mahlzeiten / Appetitlosigkeit
Häufige Erkältungen
Ärger
Vergesslichkeit
Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen
Schlaflosigkeit usw.

Wie begegne ich Stress?

Für alle Menschen und für Menschen mit Psychose-Erfahrungen im Besonderen gilt es hier, eine gesunde Balance zwischen Stress und Entspannung zu finden. Dies fällt nicht allen gleich leicht. Es geht darum, sich bewusst zu machen, was man den ganzen Tag tut, und wie man sich dabei fühlt. Dies erfordert die Fähigkeit, in sich hineinzuhören, sich mit anderen Menschen (z.B. Angehörigen, Freunden) auszutauschen und die erworbenen Erkenntnisse gezielt in individuellen, konkreten „Anti-Stress-Massnahmen“ umzusetzen. Auch spielen individuelle Stressoren eine grosse Rolle (nach dem Motto: „wie viel Mutter ertrage ich heute…?“), welchen man ebenfalls mit gezielten Massnahmen begegnen sollte.

Allgemein können zur Entlastung Belastungsfaktoren ausgeschaltet werden, d.h. vorgenommene Dinge werden gestrichen oder verschoben. Zudem kann man sich bewusst zu entspannen versuchen, z.B. Dinge tun, die einem Freude bereiten.

Quellen:

  1. Bäuml, Josef; Pitschel-Walz, Gabi; Bechdolf, Andreas; Bergmann, Frank; Buchkremer, Gerhard (Hg.) (2008): Psychoedukation bei schizophrenen Erkrankungen. Konsensuspapier der Arbeitsgruppe „Psychoedukation bei schizophrenen Erkrankungen“ ; [+ CD-ROM mit Arbeitsmaterialien] ; 64 Tabellen. Arbeitsgruppe Psychoedukation bei Schizophrenen Erkrankungen. 2., erw. und aktualisierte Aufl. Stuttgart: Schattauer. Online verfügbar unter http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?id=2998204&prov=M&dok_var=1&dok_ext=htm.
  2. Knuf, Andreas; Seibert, Ulrich; Aderhold, Volkmar (2006): Selbstbefähigung fördern – Empowerment und psychiatrische Arbeit. 4. Aufl. Bonn: Psychiatrie-Verl. Online verfügbar unter http://www.socialnet.de/rezensionen/isbn.php?isbn=978-3-88414-253-0.
  3. Schizoprenia.com. Online verfügbar unter http://www.schizophrenia.com.
  4. Rhetorik.ch: Knill+Knill Kommunikationsberatung. Stress und Entspannung. Online verfügbar unter http://www.rhetorik.ch/stress/stress.html.

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