Was kann ich selber tun?

Nico Hirschi

Dipl. Pflegefachmann Psychiatrie HF
DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern

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Erstellen einer persönlichen Notfallliste

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Betroffene versuchen sich an die letzte Krise zu erinnern und was ihnen damals geholfen oder geschadet hat. Aufgrund dieser Erfahrungen wird eine Liste der Massnahmen zusammengestellt, die im Krisenfall durchgeführt werden können. Ev. kann eine ähnliche Liste auch für Angehörige oder Freunde zusammengestellt werden.

Hier ein Beispiel, wie sie aussehen könnte:

  1. ich mache mir eine Tasse Tee / Kakao.
  2. ich rufe Richard an, Tel. 000 000 00 00 und bitte ihn, vorbeizukommen. Wenn er nicht da ist, rufe ich Martina, Tel. 000 000 00 00 oder Andrea, Tel. 000 000 00 00, an.
  3. ich gehe nicht nach draussen.
  4. ich rufe meine Eltern nicht an.
  5. ich nehme ein Bad.

Rückzug

Hilfreich bei einer beginnenden Krise kann ein (dosierter) Rückzug sein. So ist ein mindestens kurzfristiger Stressabbau möglich und es kann Kraft geschöpft werden, um Probleme konstruktiv anzugehen. Wichtig: Melden Sie sich bei einer Vertrauensperson ab und machen Sie mit dieser ab, wann Sie wieder mit ihr Kontakt aufnehmen und was diese Person tun soll, wenn Sie sich nicht melden. Die Verbindlichkeit dieser Abmachung kann hilfreich sein.

Dem Körper Gutes tun

Es kann sinnvoll sein, sich in der beginnenden Krise wieder an die Balance zwischen Bewegung und Entspannung zu erinnern. Es sollten jedoch nur Aktivitäten gewählt werden, von denen man weiss, dass sie einem in dieser Situation gut tun.

Bewegung: z.B. spazieren gehen, Yoga, schwimmen, tanzen, Rad fahren usw.

Entspannung: z.B. baden, Musik hören, schreiben, schlafen, Entspannungsübungen usw.

„Eiserne Reserve“ nehmen

Mit dem Therapeuten kann besprochen werden, dass Betroffene eine sogenannte „eiserne Reserve“ an Medikamenten mit nach Hause bekommen, welche sie im Krisenfall in Eigenregie einnehmen können. Diese Reserve ist von Fall zu Fall verschieden. Es ist deshalb wichtig, nur die mit dem Therapeuten besprochenen Medikamente und diese nur in der vereinbarten Dosis einzunehmen. Abweichungen, z.B. Einnahme von Medikamenten eines Kollegen, können sehr gefährlich sein!

Eigene Selbsthilfestrategien

In der Regel gibt es bei jedem Betroffenen viele individuelle Strategien, welche helfen können, Krisen aufzufangen oder zu verkürzen. Es lohnt sich, mit Vertrauenspersonen oder Therapeuten unter den vielfältigen Selbsthilfemöglichkeiten die geeigneten und bewährten herauszufinden und einen individuellen Krisenplan zu erstellen, damit im Notfall der Betroffene, sein Umfeld und seine Therapeuten wissen, was zu tun ist.

Quellen:

  1. Bäuml, Josef; Pitschel-Walz, Gabi; Bechdolf, Andreas; Bergmann, Frank; Buchkremer, Gerhard (Hg.) (2008): Psychoedukation bei schizophrenen Erkrankungen. Konsensuspapier der Arbeitsgruppe „Psychoedukation bei schizophrenen Erkrankungen“ ; [+ CD-ROM mit Arbeitsmaterialien] ; 64 Tabellen. Arbeitsgruppe Psychoedukation bei Schizophrenen Erkrankungen. 2., erw. und aktualisierte Aufl. Stuttgart: Schattauer. Online verfügbar unter http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?id=2998204&prov=M&dok_var=1&dok_ext=htm.
  2. Schizoprenia.com. Online verfügbar unter http://www.schizophrenia.com.
  3. LPE. Landesverband Psychiatrie-Erfahrene NRW e.V. Online verfügbar unter http://www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de.

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