Symptome und Verlauf
Wie sehen Symptome einer Psychose aus?
Was Menschen in einer akuten Psychose erleben, ist unterschiedlich. Auch
die Symptome einer Psychose sind deshalb in ihrer Zusammenstellung, Intensität
und Ausprägung so individuell wie die Menschen selbst. Gemeinsam
ist ihnen jedoch, dass diese Menschen und ihr Umfeld oft ausserordentlich
unter den verwirrenden, beängstigenden und oft auch bedrohlichen
Auswirkungen der Erkrankung leiden.
Fachpersonen unterscheiden in der Regel zwischen Plus- (oder Positiv-)
und Minus- (oder Negativ-) Symptomen.
Positiv-Symptome sind Symptome, welche gegenüber dem psychosefreien
Zustand zusätzlich aufgetreten sind, sozusagen neu produziert wurden.
Beispiele dafür sind z.B. das Hören von Stimmen, welche von
allen anderen nicht wahrgenommen werden, oder das Gefühl, in Emotionen
und Handlungen von anderen beeinflusst und gesteuert zu werden. Sie treten
vor allem in der akuten Phase der Psychose auf, einzelne können aber
durchaus auch in Zeiten ohne akuten Zustand weiterbestehen. Hier kann
es dann für die Betroffenen darum gehen, einen geeigneten und befriedigenden
Umgang mit diesen Symptomen zu finden.
Negativ-Symptome sind hingegen Symptome, die sich durch eine Einschränkung
in Verhaltensweisen oder Qualitäten auszeichnen, z.B. Schwierigkeiten
in der Konzentration und Kommunikation oder auch Interesselosigkeit und
Mangel an Motivation. Diese können sowohl in der akuten Phase der
Psychose als auch im nicht akuten Zustand auftreten. Hier entsteht oft
das Missverständnis, dass z.B. Energielosigkeit oder eine verminderte
Aufnahmefähigkeit eine Folge von mangelndem Willen des Betroffenen
(„wenn er nur wollte, dann könnte er!“) oder eine Nebenwirkung
der Medikation sei. Hier ist es wichtig zu wissen, dass solche Symptome
eine direkte Folge der Erkrankung sein können, welche der Betroffene
schwer und oft nur mit Unterstützung beeinflussen kann.
Mögliche Positiv-Symptome
Stimmenhören
Veränderte Wahrnehmung von Farben und Formen
Veränderte Wahrnehmung von Geruch und Geschmack
Veränderte Wahrnehmung von sich selbst
Verkennen von Personen
Verfolgungsideen
Misstrauen
Gefühl von Unheimlichkeit
Fremdheitsgefühle
Beeinflussungserlebnisse
Beziehungsideen
Erregungszustände
Gedankenjagen
Körperliche Anspannung
Grundlose Nervosität
Schlafstörungen
Unbestimmte Angst
Mögliche Negativ-Symptome
Unsicherheit
Innere Leere
Appetitlosigkeit
Blockierung des Denkens
Gedächtnislücken
Verminderte Aufnahmefähigkeit
Rückzug
Allgemeine Lustlosigkeit
Interessenverlust
Konzentrationsprobleme
Niedergeschlagenheit
Energielosigkeit
Körperliche Erstarrtheit
Depression
Verzweiflung
Lebensüberdruss
Was sind Halluzinationen?
Halluzinationen sind Störungen der Wahrnehmung und kommen bei Menschen
mit Psychosen sehr häufig vor. Man kann sie auch als Trugwahrnehmungen
oder Sinnestäuschungen bezeichnen, die ohne äusseren Reiz auftreten.
Betroffene glauben etwas gehört, gesehen, gerochen, auf der Haut
gespürt zu haben usw. Halluzinationen treten als akustische (hören),
optische (sehen), olfaktorische (riechen), gustatorische (schmecken),
taktile (spüren, Tastsinn), kinästhetische (Empfindung der Bewegung
des Körpers) und zoenästhetische (Körperwahrnehmung) auf.
Die häufigste Form sind jedoch akustische Halluzinationen in Form
von Stimmenhören.
Betroffene sind meist von der Tatsächlichkeit des vermeintlich Wahrgenommenen
überzeugt. Eine Möglichkeit damit umzugehen ist, dem Betroffenen
zuzugestehen, dass er etwas Besonderes erlebt, welches das Gegenüber
nicht gleich erlebt.
Vorkommen von Halluzinationen ausser bei Psychosen: Delir, organische
Psychosen, nach Einnahme von halluzinogenen Drogen (Cannabis, LSD), Hirnschädigung.
Was sind Wahnvorstellungen?
Wahnvorstellungen sind Gedanken, die in Widerspruch zur Wirklichkeit
stehen. Bei Wahnvorstellungen geht es um Ideen, die der Betroffene entwickelt,
um sich Wahrnehmungen zu erklären, die nicht der Realität entsprechen
(z.B. Halluzinationen) oder die zwar wirklich sind (z.B. „der Nachbar
transportiert eine Kiste“), jedoch aufgrund der Erkrankung in einen
anderen Kontext gesetzt werden (z.B. „in der Kiste sind geheime
Informationen über mich“). Die häufigsten Formen sind
der Beziehungswahn (Betroffene beziehen alle Erlebnisse auf sich, alles
hat mit ihnen zu tun), der Verfolgungswahn (Betroffene fühlen sich
verfolgt, ausspioniert, betrogen, fühlen sich als Opfer von Verschwörungen),
der Grössenwahn (Betroffene sind der Überzeugung, eine spezielle
und wichtige Funktion zu haben, fühlen sich auserwählt; häufig
sind diese Überzeugungen religiös gefärbt), der Versündigungswahn
(Betroffene leiden unter dem Eindruck, alle ihre Handlungen und manchmal
auch ihre Gedanken hätten fortwährend schlimme Konsequenzen
für sie selbst oder für andere) und der Eifersuchtswahn (Betroffene
sind davon überzeugt, von ihrem Partner betrogen zu werden).
Vorkommen von Wahnvorstellungen ausser bei Psychosen: Bei wahnhafter
Depression, organischer Psychose, wahnhafter Störung sowie in Zusammenhang
mit Angst und Isolation.
Wie verläuft eine psychotische Erkrankung?
Wie bei den Symptomen gibt es auch hier eine grosse Vielfalt möglicher
Verläufe. Oft bleibt es bei einer einzigen Psychose. Andere Betroffene
erleben mehrere Psychosen. Dabei kommt es vor, dass die Betroffenen zwischen
den einzelnen Psychosen ihre Gesundheit weitgehend zurückgewinnen,
bei anderen bleiben gewisse Restsymptome der Psychose nach den Krankheitsschüben
bestehen. Der Langzeitverlauf ist von vielen, inneren und äusseren
Faktoren abhängig. Eine wichtige Rolle für die Vorbeugung weiterer
Psychosen spielen eine aktive Rückfallverhütung und Medikamente
(Neuroleptika).
Eine sichere Vorhersage des Verlaufes im Einzelfall ist nicht möglich.
Langzeitstudien zeigen, dass auf lange Sicht der Ausgang schizophrener
Psychosen überwiegend günstig ist; auch nach vielen Jahren sind
Besserungen und selbst Heilungen nicht ausgeschlossen („positiver
Knick“).
Quellen:
Bäuml, Pitschel-Walz, Psychoedukation bei schizophrenen
Erkrankungen, Schattauer, Stuttgart, 2003
www.schizophrenia.com,
Information, Support, Education (englisch)
www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de
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