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Frühwarnzeichen
„Etwas ist anders“
Zu Beginn einer Psychose merken Betroffene oft sehr wohl, dass sie
zwei Realitäten (Wirklichkeiten) wahrnehmen. Die meisten erleben
mit grosser Bestürzung und Befremden, dass sie eine neue Erlebnisqualität
besitzen, die ihnen früher nicht bekannt war. Doch fällt es
ihnen schwer, zu unterscheiden, was nun „wirklich“ und was
„unwirklich“ ist. Sie merken auch, dass sich das innere
Erleben verändert hat, und erleben dieses Chaos oft als Gefühl,
die Kontrolle über sich verloren zu haben. Dieser Zustand kann
grosse Angst bis Panik auslösen. Im Vollbild der Psychose werden
die Betroffenen von ihren Vorstellungen oft völlig beherrscht und
nehmen Widersprüche zwischen ihrer „persönlichen“
und der „allgemeinen“ Realität nicht mehr wahr. In
der akuten Phase der Psychose scheint wie eine neue, sinnvolle innere
Ordnung entstanden zu sein. In den meisten Fällen fühlen sich
Betroffene in der akuten Psychose nicht krank. Wichtig ist: Frühwarnzeichen
sind noch keine eigentlichen psychotischen Symptome. Sie kündigen
möglicherweise eine bevorstehende psychotische Krise an, stellen
aber zugleich eine Chance dar, eine bevorstehende Krise rechtzeitig
abzuwenden. Viele der als Frühwarnzeichen bezeichneten Beschwerden
können auch nach Ausbruch einer Psychose auftreten. Sie treten
zum Teil schon Jahre vor dem ersten Krankheitsausbruch auf, meist aber
auch unmittelbar vor jedem folgenden.
Eigene Frühwarnzeichen – wie erkenne ich sie?
Viele Betroffene erleben eine Vielzahl von Anzeichen, die auf eine
beginnende Krise hindeuten. Es können folgende Bereiche betroffen
sein:
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vermehrte Schlafstörungen (mehr oder weniger grosses Schlafbedürfnis)
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Veränderungen der Wahrnehmung (z.B. überdeutliche Wahrnehmung
der Umgebung, Veränderungen in der Geräuschempfindlichkeit,
Menschen scheinen anders, fremd, Farben werden intensiver wahrgenommen
usw.).
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Veränderungen im Denken (z.B. Gedanken werden schneller oder
langsamer, das Gefühl, gar keine Gedanken mehr zu haben, die
Gedanken würden einem eingegeben, entzogen oder andere könnten
sie lesen usw.).
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Veränderungen der Körperwahrnehmung (z.B. nichts mehr
spüren können, alles intensiver spüren, seinen Körper
verlassen usw.)
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Veränderungen in den eigenen Verhaltensweisen (z.B. extremer
Rückzug von der Aussenwelt, Redezwang, nicht mehr zur Arbeit
gehen, das Gefühl, seine Umgebung von einer bestimmten Idee
überzeugen zu müssen usw.).
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Die Menschen um einen herum verhalten sich anders als sonst (z.B.
der Chef empfiehlt, Urlaub oder „ein paar Tage frei“
zu nehmen, Freunde empfehlen das Aufsuchen eines Arztes, Bekannte
fragen, ob einem nicht gut sei usw.).
Warum ist es wichtig, eigene Frühwarnzeichen zu erkennen?
Die eigenen Frühwarnzeichen sind, wie der Name schon sagt, ein
Frühwarnsystem, das Betroffenen die Möglichkeit gibt, Einfluss
auf den weiteren Verlauf der beginnenden Psychose zu nehmen. Meist braucht
es Zeit und Erfahrung mit dem eigenen Erleben, um diese zu erkennen,
oft kann auch professionelle Unterstützung hilfreich sein. Frühwarnzeichen
sind sehr individuell, der eine Betroffene hat z.B. plötzlich eine
Vorliebe für rote Kleidung oder ein anderer mag mit seinem Hund
nicht mehr spazieren gehen. Es ist wichtig, möglichst früh
zu realisieren, dass eine Krise nahen könnte. Je früher reagiert
wird, desto eher besteht die Möglichkeit, die Krise abzuschwächen
oder sogar abzufangen. Dies kann durch kurzfristige und vorübergehende
Einnahme oder Erhöhung der Medikamente erreicht werden oder aber
auch durch gezielte Massnahmen der Stressbewältigung und einem
guten Krisenplan.
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Mögliche weitere Frühwarnzeichen:
Vor Ausbruch der Krankheitsepisode…
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nahm ich die Medikamente nicht mehr regelmässig
ein oder setzte sie ab. |
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litt ich an ungewohnten Schlafstörungen. |
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mochte ich nicht mehr so viel essen wie sonst. |
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hatte ich mehr Hunger als sonst. |
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fühlte ich mich häufig müde. |
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lief der Tag bei mir anders ab als vorher. |
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legte ich nicht mehr so viel Wert auf Kleidung, Waschen etc. |
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konsumierte ich mehr Alkohol und/oder Drogen. |
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trank ich mehr Kaffee und/oder rauchte mehr. |
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zog ich mich häufiger von den Leuten zurück. |
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liessen meine beruflichen Leistungen wegen Konzentrationsproblemen
nach. |
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hatte ich mehr Schwierigkeiten, mich zu entscheiden. |
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hatten die Leute z.T. Mühe zu verstehen, was ich sagte. |
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war ich vermehrt geräuschempfindlich. |
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hatte ich häufig Schmerzempfindungen. |
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hatte ich eigenartige Körperwahrnehmungen. |
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erlebte ich die Umwelt manchmal als unwirklich. |
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kamen mir viele Gedanken in den Sinn. |
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musste ich an gewisse Dinge oftmals gezwungenermassen denken. |
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kam ich oft ins Grübeln. |
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hatte ich manchmal den Eindruck, kontrolliert zu werden. |
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hatte ich manchmal den Eindruck, beobachtet zu werden. |
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nahm ich in der Umwelt häufig Dinge wahr, die sich auf
mich bezogen und mir Hinweise gaben. |
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musste ich häufig auf der Hut sein. |
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ging mir manchmal der Gedanke durch den Kopf, ich müsse
mich verletzen oder töten. |
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gewann für mich Religion an Bedeutung. |
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hatte Sexualität für mich eine andere Bedeutung. |
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fühlte ich mich vermehrt gespannt. |
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war ich vermehrt unruhig und/oder nervös. |
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war ich häufig überdreht und/oder reizbar. |
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hatte ich mit anderen Leuten häufig Streit. |
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war ich häufig depressiv / bedrückt. |
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hatte ich oftmals keine Lust mehr. |
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gab ich meine früheren Interessen z.T. auf. |
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interessierten mich nur noch ganz bestimmte Dinge. |
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verspürte ich manchmal Angst, verrückt zu werden. |
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spürte ich manchmal Angst vor der Zukunft. |
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hatte ich oft beunruhigende Träume. |
Quellen:
Bäuml, Pitschel-Walz, Psychoedukation bei schizophrenen
Erkrankungen, Schattauer, Stuttgart, 2003
www.schizophrenia.com,
Information, Support, Education (englisch)
www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de
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