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Medikamentenwirkung
PsychopharmakaEin Psychopharmakon ist ein Arzneistoff, der auf die Psyche des Menschen symptomatisch einwirkt und vorwiegend der Behandlung psychischer Störungen und neurologischer Krankheiten dient. Hierbei kommt es oftmals zu einer Phasenverkürzung, nicht jedoch zur Heilung chronischer Krankheiten.
Einigen psychischen Erkrankungen liegen Störungen des Neurotransmitterhaushalts (insbesondere Dysbalancen von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin) und - teils als deren Ursache, teils als deren Folge - neurophysiologischen Veränderungen zugrunde. Einige Psychopharmaka zielen darauf ab, den gestörten Neurotransmitterhaushalt auszugleichen.
Psychopharmaka werden unterschieden in Neuroleptika, Antidepressiva, Tranquillantien, Phasenprophylaktika, Psychostimulanzien und Halluzinogene. Im Folgenden beschreiben wir die ersten vier Kategorien näher. Auch wird das Medikament Akineton® zur Schwächung/Behebung von extrapyramidalen Störungen beschrieben.
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Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Clopixol® |
antipsychotisch (d.h. das Medikament
verringert Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Erregung und Denkstörungen).
dämpfend, rückfallverhütend |
motorische Störungen wie Frühdyskinesien, Parkinsonoid, Akathisie und Spätdyskinesien, Mundtrockenheit und Schwindel |
10 - 75 |
| Fluanxol® |
antipsychotisch, aktivierend, angstlösend, stimmungsaufhellend,
rückfallverhütend |
Bewegungsstörungen, Schlaflosigkeit |
3 - 32 |
Haldol® |
antipsychotisch, dämpfend |
Bewegungsstörungen, depressionsfördernd |
3 - 60 |
Dapotum® |
antipsychotisch, dämpfend, rückfallverhütend |
Bewegungsstörungen |
5 - 50 |
Typische Neuroleptika, niederpotent
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
Nozinan® |
dämpfend, schlaffördernd, Entzugssymptome lindernd |
Schläfrigkeit |
25 - 250 |
Prazine® |
antipsychotisch, angstlösend, schlaffördernd, beruhigend,
Entzugssymptome lindernd |
Bewegungsstörungen |
50 - 300 |
Truxal® |
antipsychotisch, angstlösend, beruhigend, schmerzlindernd,
Entzugssymptome lindernd |
Müdigkeit, Kreislaufbeschwerden, Schwindel |
15 - 200 |
Atypische Neuroleptika, hochpotent
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Risperdal® |
antipsychotisch |
Schlaflosigkeit, Erregtheit, in hoher Dosierung Bewegungsstörungen |
1 – 6 |
| Zyprexa® |
antipsychotisch |
Schläfrigkeit, Gewichtszunahme, Unruhe, in hoher Dosierung
Bewegungsstörungen |
2,5 - 30 |
| Leponex® |
antipsychotisch, dämpfend |
Verringerung weisser Blutkörperchen (Leukozytopenie), Müdigkeit, Gewichtszunahme
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25 - 600 |
| Invega® |
antipsychotisch |
Unruhe, Extrapyramidalstörungen, Veränderung Herzrhythmus
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3 - 15 |
Atypische Neuroleptika, niederpotent
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Seroquel® |
antipsychotisch, dämpfend |
Schläfrigkeit, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen |
150 - 1200 |
| Solian® |
antipsychotisch (200-400mg wirken mehr auf die Negativsymptome,
400-800mg mehr auf Positivsymptome) |
Schlaflosigkeit, Angst |
200 - 800 |
| Abilify® |
antipsychotisch, rückfallverhütend |
Unruhe, Schlafstörungen |
10 - 45 |
Extrapyramidale Störungen (EPS): Auftreten von unwillkürlichen, nicht steuerbaren Bewegungen als Folge einer körperlichen Störung oder als unerwünschte Wirkung von Neuroleptika.
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Akineton® |
Gegen motorische Nebenwirkungen der Neuroleptika |
Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit, mögliche Entzugssymptome |
1 - 4 |
Antidepressiva (Thymoleptika) sind Psychopharmaka, die hauptsächlich gegen Depressionen, aber auch zum Beispiel bei Zwangsstörungen und Panikattacken, generalisierten Angststörungen, phobischen Störungen, Essstörungen, chronischen Schmerzen, Entzugssyndromen, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, prämenstruell-dysphorischem Syndrom sowie bei der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS, PTSD) eingesetzt werden.
Wirkungsmechanismus
Die große Gruppe der antidepressiven Wirkstoffe zeichnet sich durch ihre Wirkung auf das depressive Syndrom aus. Dabei entfalten Antidepressiva ihre stimmungsaufhellende (thymoleptische) Wirkung unabhängig von der jeweiligen Ursache des depressiven Syndroms.
Die verschiedenen Antidepressiva unterscheiden sich hinsichtlich ihres Wirkungsprofils. So können sie neben einer stimmungsaufhellenden Wirkung auch antriebssteigernde (thymeretische), antriebsneutrale oder antriebsdämpfende sowie beruhigende (sedierende) und angstlösende (anxiolytische) Wirkungen entfalten.
Bei einer Vielzahl von Antidepressivatypen entfaltet sich die volle Wirkung erst nach einigen Tagen bis Wochen kontinuierlicher Einnahme. Grund dafür dürfte die neurophysiologische Anpassung des Gehirngewebes sein, die eine gewisse Zeit beansprucht. Dazu gehören Veränderungen in der Empfindlichkeit und Dichte von Rezeptoren und ähnlicher Strukturen. Die dauerhafte Besserung tritt demnach indirekt aufgrund von zellulären Anpassungsprozessen unter konstantem Wirkstoffspiegel auf.
Antidepressiva ersetzen keine Psychotherapie, können aber möglicherweise im Falle von schweren Depressionen eine solche erst ermöglichen, da in diesen Fällen die als Voraussetzung einer erfolgreichen Therapie notwendige Ansprechbarkeit oft nicht gegeben ist.
Arten von Antidepressiva
Antidepressiva werden aufgrund ihrer chemischen Struktur und ihrer Wirkung auf die Neurotransmitterbalance in verschiedene Arten unterteilt, so u.a. in trizyklische Antidepressiva, selektive Wiederaufnahmehemmer, andere monoaminerge Antidepressiva und Phytopharmaka. Phasenprophylaktische Medikamente mit antidepressiver Wirkung werden weiter unten beschrieben. Weitere Details unter http://de.wikipedia.org/wiki/Antidepressivum.
Hier die wichtigsten Präparate aller Arten von Antidepressiva:
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Deroxat® |
aufhellend, angstlösend |
Schlafstörungen, Bewegungsstörungen, Schwindel, sexuelle
Störungen |
20 - 60 |
| Efexor® |
aufhellend, aktivierend |
Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Schwindel, Verdauungsbeschwerden,
Blutdruckerhöhung |
150 - 375 |
| Fluctine® |
aufhellend |
Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Gewichtsabnahme |
20 - 80 |
| Remeron® |
aufhellend, schlafanstossend in niedriger Dosierung |
Mundtrockenheit, Appetitsteigerung |
15 - 60 |
| Surmontil® |
aufhellend, schlaffördernd |
Mundtrockenheit, Verstopfung, Appetitsteigerung |
25 - 300 |
| Seropram® |
aufhellend, aktivierend |
Mundtrockenheit, Schlafstörungen, Übelkeit, Appetitsteigerung |
20 - 60 |
| Zoloft® |
aufhellend, aktivierend |
Übelkeit, Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen |
50 - 200 |
| Tolvon® |
aufhellend, schlaffördernd |
Mundtrockenheit, Gewichtszunahme, Schwindel |
60 - 90 |
| Saroten® |
aufhellend, schmerzlindernd |
Müdigkeit, Mundtrockenheit, Appetitsteigerung, Verstopfung |
50 - 150 |
| Nefadar® |
aufhellend |
Übelkeit, Verdauungsbeschwerden, Benommenheit |
300 - 600 |
| Floxyfral® |
aufhellend |
Verdauungsbeschwerden, Schwindel, verschwommenes Sehen |
100 - 300 |
| Trittico® |
aufhellend, schlaffördernd |
Atemstörungen bei Allergikern |
50 - 300 |
| Wellbutrin XR® |
aufhellend |
Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen |
150 - 300 |
Ein Phasenprophylaktikum ist ein Psychopharmakon, welches bei bestimmten
seelischen Erkrankungen (z.B. manisch-depressive Erkrankung) zur Verhinderung
neuer Krankheitsphasen angewendet wird.
Wichtige Phasenprophylaktika sind Lithiumpräparate, Carbamazepin,
Valproinsäure, Oxcarbacin und Lamotrigin.
Lithiumpräparate
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Lithiofor® |
stimmungsausgleichend, rückfallverhütend |
Bewegungsstörungen, zittern, Übelkeit, Durchfall,
Appetitsteigerung |
2 Tbl. / Tag |
| Quilonorm® |
stimmungsausgleichend, rückfallverhütend |
Bewegungsstörungen, zittern, Übelkeit, Appetitsteigerung |
2 Tbl. / Tag |
Carbamazepin
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Tegretol® |
Stimmungsausgleichend, rückfallverhütend, anti- |
Magen-Darmbeschwerden, Schwindel, Müdigkeit, Seh- |
400 - 600 |
Valproinsäure
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Depakine® |
stimmungsausgleichend, antiepileptisch, dämpfend |
Magenschmerzen, Müdigkeit |
600 - 900 |
| Orfiril® |
stimmungsausgleichend, rückfallverhütend, antiepileptisch,
dämpfend |
Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Müdigkeit |
600 - 2100 |
Oxcarbacin
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Trileptal® |
stimmungsausgleichend, antiepileptisch, schmerzlindernd |
Übelkeit, Schläfrigkeit, Hautallergien |
600 - 2400 |
Lamotrigin
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Lamictal® |
stimmungsausgleichend, antiepileptisch, antidepressiv |
Übelkeit, Unruhe, Hautallergien |
100 - 400 |
Als Tranquillanzien bzw. Tranquilizer (lat. tranquillare = beruhigen)
wird eine Gruppe von Psychopharmaka zusammengefasst, die angstlösend
(anxiolytisch) und entspannend (sedierend) wirken.
Gefahren
Tranquillanzien gehören zu den am häufigsten verordneten Psychopharmaka.
Sie sind jedoch mit einer Reihe von Risiken behaftet, die unbedingt berücksichtigt
werden sollten:
- Vor allem Benzodiazepine führen aufgrund ihrer ausgeprägt
angstlösenden, entspannenden Wirkung zu Gewöhnung und Abhängigkeit
(Sucht). Der Patient fühlt sich durch die Einnahme von Tranquillanzien
vom Alltagsstress abgeschirmt. Der notwendige Druck, sich mit vorhandenen
inneren und äußeren Konflikten auseinanderzusetzen, wird dadurch
vorübergehend aufgehoben. Auch bei der längerfristigen Einnahme
von frei erhältlichen pflanzlichen Präparaten, die zumeist in
Form von Alkohollösungen angeboten werden, sollte dieser Aspekt berücksichtigt
werden (Beispiel Klosterfrau Melissengeist: enthält 79 Vol.-% Alkohol).
- Psychopharmaka können grundsätzlich zu einer Veränderung
von Wachheit, Reaktionsvermögen, Sinneswahrnehmung und Körperbeherrschung
führen. Auch vegetative Funktionen können betroffen sein (Blutdruck,
Puls, Muskelspannung, Gleichgewicht etc.). Das bedeutet, dass sich unter
Einwirkung von Tranquillanzien besondere Risiken im Straßenverkehr,
bei der Bedienung von Maschinen und während des Aufenthaltes in Gefahrenbereichen
ergeben können.
- Die verschiedenen Psychopharmaka unterscheiden sich in ihrer Pharmakokinetik,
d.h. Wirkungseintritt, -stärke und -dauer sind zum Teil sehr unterschiedlich.
Hierbei spielen auch Alter, Geschlecht, Gewicht und vorbestehende Erkrankungen
(v.a. Leber- und Nierenerkrankungen) eine wichtige Rolle. Durch eine unkritische
Einnahme von Tranquillanzien kann es zu einer überschießenden
Anhäufung von Wirksubstanzen im Körper kommen (Kumulation),
was zu lebensbedrohlichen Zuständen führen kann.
- Die Kombination von Psychopharmaka mit anderen Medikamenten oder Drogen
(v.a. Alkohol!) kann zu ganz unvorhersehbaren, möglicherweise lebensgefährlichen
Effekten führen.
Unter Berücksichtigung dieser Gefahren ist es unbedingt ratsam, auf
jede eigenmächtige Einnahme von Tranquillanzien zu verzichten. Vor
Einnahme von Tranquillanzien (und auch sonstigen Psychopharmaka) sollte
mit dem Hausarzt bzw. Psychiater ein ausführliches Gespräch
über die vorhandenen Beschwerden und über geeignete Behandlungsmaßnahmen
und mögliche Nebenwirkungen geführt werden.
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Nebenwirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Temesta® |
angstlösend |
Schläfrigkeit, körperliche und psychische Abhängigkeit,
Verwirrtheit |
1 - 4 |
| Valium® |
angstlösend, beruhigend |
Mattigkeit, körperliche und psychische Abhängigkeit,
Schlafstörungen, Muskelschwäche |
5 – 20 |
| Seresta® |
beruhigend, entspannend, dämpfend |
Schläfrigkeit, körperliche und psychische Abhängigkeit,
Schwindel, Muskelschwäche |
30 - 120 |
| Lexotanil® |
beruhigend, angstlösend, dämpfend |
Schläfrigkeit, körperliche und psychische Abhängigkeit,
Muskelschwäche, Verwirrtheit |
1,5 - 12 |
Ein Schlafmittel oder Hypnotikum ist ein Stoff, der den Schlafvorgang fördert. Schlafmittel basieren auf synthetisch hergestellten oder natürlich vorkommenden, pflanzlichen Wirkstoffen.
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Imovane® |
angstlösend |
Schläfrigkeit, körperliche und psychische Abhängigkeit,
Verwirrtheit |
7,5 - 15 |
| Stilnox® |
angstlösend, beruhigend |
Mattigkeit, körperliche und psychische Abhängigkeit,
Schlafstörungen, Muskelschwäche |
5 – 20 |
| Dalmadorm® |
beruhigend, entspannend, dämpfend |
Schläfrigkeit, körperliche und psychische Abhängigkeit,
Schwindel, Muskelschwäche |
30 - 120 |
| Sonata® |
schlafanstossend, kurz wirksam |
Körperliche und psychische Abhängigkeit |
5 - 20 |
| Chloraldurat® |
Schlaffördernd |
Benommenheit, Schwindel |
250 - 2000 |
Schlafanstossende Mittel (pflanzlich)
| Name |
Hauptwirkung |
Häufigste unerwünschte Wirkung |
Dosierung in mg pro Tag |
| Sedonium® |
schlafanstossend |
selten Magen-/Darmbeschwerden |
2 Tbl. |
| Hova® |
schlafanstossend |
selten allergische Reaktionen, Magen-/Darmbeschwerden |
1-2 Tbl. |
| Relaxo® |
beruhigend, schlafanstossend |
keine |
1-3 Tbl. |
| Valverde® Schlafdragées |
schlafanstossend |
selten Hautreaktionen |
2 Tbl. |
Quellen:
www.kompendium.ch, Arzneimittel-Kompendium der Schweiz
Bäuml, Pitschel-Walz, Psychoedukation bei schizophrenen Erkrankungen, Schattauer, Stuttgart, 2003
www.schizophrenia.com, Information, Support, Education (englisch)
Knuf, Seibert, Selbstbefähigung fördern, Empowerment und psychiatrische Arbeit, Psychiatrie-Verlag, Bonn, 2000
Roder, V. et al., Praxishandbuch zur verhaltenstherapeutischen Behandlung schizophren Erkrankter, Verlag Hans Huber, Bern, 2002