Allgemeines
Weshalb Medikamente?
Medikamente (Psychopharmaka) können erheblich dazu beitragen, dass
quälende Symptome erträglich werden oder sogar verschwinden.
Sie können Betroffene unterstützen, im Leben wieder Fuss zu
fassen und die täglichen Anforderungen bewältigen zu können.
Es ist jedoch so, dass im Zusammenhang mit den Medikamenten die Individualität
der Person eine Rolle spielt. Nicht jedes Medikament wirkt bei den Betroffenen
gleich. Und – Medikamente können nicht alles! Es ist möglich,
dass einer optimal wirksamen medikamentösen Behandlung eine lange
Phase des Ausprobierens und Experimentierens vorangeht, was frustrierend
sein kann. Es ist auch möglich, dass Medikamente nicht alle Symptome
zum Verschwinden bringen, generell kann aber davon ausgegangen werden,
dass sie diese mindestens vermindern. In der Regel helfen Medikamente
auch, sich etwas von Psychoseinhalten zu distanzieren und am Leben wieder
teilzunehmen, soziale Kontakte wieder aufzunehmen und zu pflegen, ev.
einer Beschäftigung oder Arbeit nachzugehen und allgemein wieder
Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.
Medikamentöse Therapie gehört aber immer eingebettet in eine
nichtmedikamentöse Behandlung,
deren Planung mit den Betroffenen zusammen erarbeitet werden soll. Medikamente
sollen das Erreichen der gemeinsam definierten Behandlungsziele erleichtern
oder überhaupt ermöglichen, und, wenn das Risiko gegeben ist,
drohenden Rückfällen vorbeugen. Die das Medikament verordnende
ärztliche Person soll deshalb in enger Zusammenarbeit mit dem Betroffenen,
den Angehörigen und den anderen Therapierenden (Pflegeperson, Sozialarbeiter,
Psychologe etc.) handeln, damit die Behandlungsziele erreicht werden und
dabei die medikamentösen Nebenwirkungen erträglich bleiben.
Akute Krankheitsepisoden können durch Medikamente verkürzt
werden. Es gilt: Je schneller nach Ausbruch der Krise medikamentös
behandelt wird, desto schneller klingen die Symptome ab. Damit kann auch
das Risiko einer Chronifizierung gemindert werden, es können Klinikaufenthalte
vermieden oder zeitlich verkürzt werden. In stabilen, psychosefreien
Phasen kann mit der Medikation eine Reduktion der Positiv-
und Negativsymptomatik und eine Verbesserung der Selbstwahrnehmung
im Bezug auf Frühwarnzeichen
und Stressbewältigung
erreicht werden.
Wie lange soll ich Medikamente einnehmen?
Antipsychotische Medikamente verhindern nicht in jedem Fall eine erneute
psychotische Krise, da dies von vielen anderen Faktoren abhängig
ist, sie können das Risiko für Rückfälle aber deutlich
vermindern. Das Risiko für erneute psychotische Episoden ist ohne
Medikation um ein Vielfaches höher.
Die Empfehlung aus psychiatrischer Sicht – unabhängig vom
Medikament – ist:
Rückfallraten mit / ohne Medikamente
|
|
Pro und Contra Neuroleptika
Pro
-
Verminderung der Symptome (z.B. weniger Angst, mehr Distanz zu Stimmenhören
etc.)
-
drei- bis viermal kleineres Rückfallrisiko
-
bei den meisten Personen bessere Möglichkeiten der Aufrechterhaltung
der normalen sozialen Beziehungen, weniger Diskriminierung, besseres
Selbstwertgefühl und bessere Lebensqualität.
Contra
Quellen:
Bäuml, Pitschel-Walz, Psychoedukation bei schizophrenen
Erkrankungen, Schattauer, Stuttgart, 2003
www.schizophrenia.com,
Information, Support, Education (englisch)
Knuf, Seibert, Selbstbefähigung fördern, Empowerment
und psychiatrische Arbeit, Psychiatrie-Verlag, Bonn, 2000
Roder, V. et al., Praxishandbuch zur verhaltenstherapeutischen
Behandlung schizophren Erkrankter, Verlag Hans Huber, Bern, 2002
|