Literatur

Nico Hirschi

Dipl. Pflegefachmann Psychiatrie HF
DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern

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Es gibt verschiedene historische Persönlichkeiten, welchen in ihrem Lebensverlauf eine psychotische Erkrankung nachgesagt wird. Diese wird aber teilweise auch kontrovers diskutiert und kann so nicht abschliessend beantwortet werden. Gut so. Eine psychotische Erkrankung soll nicht als alleiniger Einflussfaktor auf das literarische Werk eines Künstlers gelten. Es ist die Gesamtheit aller Talente und Eigenschaften eines begabten Menschen, welche diese Werke möglich gemacht haben.

Dennoch hier eine kurze Auflistung von Autoren mit diskutierter psychotischer Erkrankung:

Dante Alighieri (1262-1331)
Friedrich Hölderlin (1770-1843)
Jakob Lenz (1751-1792)
Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)
Gérard de Nerval (1808-1853)
August Strindberg (1849-1912)
Torquato Tasso (1544-1595)

In seinem einzigen Prosawerk, „Lenz“, schrieb Georg Büchner (1813-1837) um 1835 über einen 26-jährigen Dichter namens Jakob Lenz. Dieser gerät zunehmend in Verzweiflung über sich selbst, und es mehren sich die Symptome einer Schizophrenie, bis sich Lenz in seiner geistigen Zerrüttung selbst eines Mordes bezichtigt. Büchners Figur weist die wichtigsten Symptome der Schizophrenie auf. In einem anderen berühmten Werk, „Woyzeck“, spielt auch das Hören von Stimmen eine große Rolle.

Arthur Schnitzler (1862-1931), Arzt und einer der wichtigsten österreichischen Dramatiker, hat die menschliche Psyche in seinen Stücken und Novellen eindringlich beschrieben. Seine letzten, 1931 erschienene Erzählung „Flucht in die Finsternis“ behandelt den zunehmenden Realitätsverlust seiner Hauptfigur – mit tragischen Folgen. Nach einer krankheitsbedingten Auszeit kehrt der Sektionsrat Robert nach Wien zurück. Er hofft, vollständig genesen zu sein, doch unter der Oberfläche mehren sich die Anzeichen für eine gravierende psychische Störung.

Mittlerweile ein Klassiker des Themenbereichs ist „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen – Bericht einer Heilung“. Die Flucht vor der Realität, vor Krankheit und familiärer Isolation endet für die sechzehnjährige Deborah in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. Befund: Schizophrenie. Unter dem Pseudonym Hannah Green schildert die Autorin Joanne Greenberg (geb. 1932) in diesem ermutigenden autobiographischen Roman den mühsamen Kampf des Mädchens um ihre Heilung.

Friedrich Glausers (1896-1938) Kriminalroman «Matto regiert» spielt in einer psychiatrischen Klinik und «man merkt ihm genauso wie den anderen Romanen an, dass der Autor eigene Erlebnisse verarbeitet hat. Mit eindringlichen Milieustudien und packenden Schilderungen der sozialpolitischen Situation gelingt es ihm, den Leser in seinen Bann zu schlagen.»

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