Kunst

Nico Hirschi

Dipl. Pflegefachmann Psychiatrie HF
DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern

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Schizophrene Künstler haben beeindruckende Leistungen in der Malerei und Literatur erbracht. Auch haben viele Filme unterschiedlicher Genres nehmen Bezug zu Psychose in ihrer Storyline. Dennoch wird das Vorhandensein einer schizophrenen Erkrankung in Bezug zu künstlerischen Leistungen kontrovers diskutiert. So vertritt ein Teil der Experten die Meinung, dass gerade das Vorhandensein einer Psychose die Talente zur Entfaltung bringt. Andere vertreten eine konträre Ansicht.

„So wie die Verrücktheit, in einem höheren Sinn, der Anfang aller Weisheit ist, so ist Schizophrenie der Anfang aller Kunst, aller Phantasie.“ Das schreibt Hermann Hesse in seinem Roman „Steppenwolf“. Hat er recht? Muss man irre sein, um kreativ zu sein? Mindestens seit der Antike gibt es diesen Mythos, dass Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen, verbreitet etwa von Aristoteles und Seneca. Auch in der heutigen öffentlichen Wahrnehmung hält sich das Klischee vom genialen, aber verrückten Wissenschaftler oder vom Schriftsteller, der zwischen Schwermut und wahnwitzigem Arbeitseifer schwankt.

Wer einmal psychisch kranke Menschen in einer Klinik erlebt hat, der könnte diese Idee von den kreativen Verrückten leicht bezweifeln. Oft sind sie antriebslos oder so verwirrt, dass sie sich nicht einmal auf die einfachsten Dinge konzentrieren können. Wie soll so ein kreatives Werk entstehen? Und dennoch hat sich hartnäckig über all die Jahrhunderte die Idee erhalten, dass Genie und Wahnsinn in irgendeiner Form zusammengehören.

Man weiß, dass ein bestimmtes Gen die Funktion des präfrontalen Cortex beeinträchtigen kann. Das ist einer der Orte, an denen das Gehirn eine wichtige Filterfunktion übernimmt: ständig erreichen uns unzählige Eindrücke. Wenn wir etwa im Restaurant sitzen, nehmen wir auch alle Menschen an den Nachbartischen wahr. Um uns mit dem Gegenüber unterhalten zu können, müssen wir aussieben. Unwichtiges wird ausgeblendet, wir konzentrieren uns auf das Wesentliche. „Latente Inhibition“ nennen Psychologen diese Fähigkeit.

Aus zahlreichen Untersuchungen weiß man, dass bei vielen psychisch Kranken dieser Filter nicht gut funktioniert. Ihr Gehirn wird bombardiert mit Informationen – ein Effekt, der mitverantwortlich für ihr Leiden sein dürfte. Inzwischen ist auch bekannt, dass Menschen mit geringer latenter Inhibition besonders kreativ sind.

Kreative Menschen können gut assoziieren, sie funktionieren nicht nach einem bestimmten Schema und sind bereit, über Grenzen zu gehen. Mit anderen Worten: Sie denken weniger gefiltert. Es scheint also, dass der Mechanismus, der psychisch Gesunde davor bewahrt, verrückt zu werden, gleichzeitig auch die Kreativität einschränkt. Viele Forscher vermuten, dass für künstlerische Leistungen der Filter weder zu eng noch zu weit eingestellt sein darf. Denn wenn etwa ein Schizophrenie-Patient einen Krankheitsschub hat, dann kann er kaum malen oder dichten. Aber bei einer milden Ausprägung kann er seine Gedanken freier fliegen lassen, als es den Anderen möglich ist.

Auf weiteren Webseiten wollen wir Ihnen künstlerische Leistungen in Malerei, Literatur und beim Filmschaffen näher bringen. Über unsere Webseite können Sie Ihre Kunstwerke ausstellen und zum Verkauf anbieten. Weitere Details dazu finden Sie unter Kunstgegenstände.

 

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