Empowerment

Nico Hirschi

Dipl. Pflegefachmann Psychiatrie HF
DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern

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Empowerment bedeutet Selbstbefähigung oder Selbstermächtigung mit dem Ziel, die verloren gegangenen Fähigkeiten und seinen Einfluss wieder zu gewinnen und Eigenverantwortung bzw. Mitbestimmung in allen Lebenslagen ermöglichen zu können.

Empowerment heisst nutzer- und ressourcenorientiert sowie partnerschaftlich und gemeinschaftlich zu arbeiten. Empowerment bezeichnet einerseits den (Lern-)Prozess eines Betroffenen, die (gelernte) Hilflosigkeit hinter sich zu lassen und wieder in ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Andererseits die Arbeit einer Fachperson, die Betroffenen hilf, das Gefühl von Ausgeliefert-Sein zu überwinden und die Gestaltungsspielräume für sich wieder zu entdecken und mit diesen zu arbeiten.

Bei empowerment-orientierter Arbeit geht es mehr darum, was der Betroffene für sich möchte, also um Hilfestellung bei der Umsetzung der subjektiven Vorstellungen des Betroffenen, als um die Frage, was nun „richtig oder falsch“ und was der Gesundheit des Betroffenen dienlich wäre.

In der Gesundheitsförderung ist Empowerment als Prinzip in der Ottawa Charta zur Gesundheitsförderung (Dokument der WHO von 1986 zum Abschluss des Internationalen Kongresses zur Gesundheitsföderung) verankert. Mit der Handlungsstrategie „befähigen und ermöglichen“ sollen Menschen die Chance haben, ihr Gesundheitspotential selbstbestimmt verwirklichen zu können.

Entstanden ist der Begriff Empowerment in Bürgerrechtsbewegungen im schwarzen Amerika um 1950/1960, bei denen Martin Luther King (1929-1968) mit seinen Inspirationen zu Aktionen von gewaltfreiem zivilem Ungehorsam bekannt wurde (‚Empowerment of black communities‘). Dies gab den schwarzen BürgerInnen ein neues Selbstwertgefühl, schaffte ein neues politisches Bewusstsein.

In der Sozialpsychiatrie wurde der Begriff vor allem von Julian Rappaport, einem USamerikanischen Psychologen eingeführt und geprägt. Er ist emeritierter („pensionierter“) Professor für Psychologie an der Universität von Illinois und Urbana. 1984 erschien sein Buch „Studies in Empowerment: Steps toward understanding and action“. Das Ziel, die Idee und die Schwierigkeiten und Grenzen des Empowerment kurz und prägnant auf den Punkt gebracht hat er mit dem viel zitierten Satz: „Rechte ohne Ressourcen zu besitzen ist ein grausamer Scherz!“ Oder ist die Problematik eher umgekehrt?

Empowerment in der Gesundheitsförderung heißt, dass Personen, Gruppen oder Organisationen…
– über eine größere Kompetenz im Umgang mit der eigenen Gesundheit verfügen
– über die Fähigkeit verfügen, eigene Entscheidungen zu treffen
– über einen Zugang zu Informationen und Ressourcen verfügen
– über verschiedene Handlungsalternativen und Wahlmöglichkeiten verfügen
– das Gefühl haben, als Individuum oder Gruppe etwas bewegen zu können
– kritisch denken
– sich nicht allein fühlen, sondern als Teil einer Gruppe oder eines sozialen Netzwerkes agieren
– Veränderungen im eigenen Leben und im sozialen Umfeld bewirken
– neue Fähigkeiten erlernen, die sie selbst für wichtig halten
– sich ein positives Selbstbild erarbeiten und Stigmatisierungen überwinden

Konkrete Beispiele von empowerment-orientierter Arbeit in Institutionen sind
– Partizipation von Betroffenen in Institutionen
– Beschwerdestellen und Patientenfürsprecher
– Partizipation von Betroffenen in überinstitutionellen Gremien
– Partizipation von Betroffenen in der Fort- und Weiterbildung
– Betroffene als Mitarbeiter in psychiatrischen Einrichtungen
– Psychoedukation

Empowerment ist ein dynamischer Prozess, eine Haltung und keine Methode und daher fehlt manchmal auch eine klare, allgemein gültige Definition. Hingegen gibt es viele individuelle Entwürfe. Dies kann zu einer Verunsicherung führen, durch fehlende Handhabungen, fehlende Erfahrung und falsch verstandene Selbstbefähigung. Es bleibt manchmal eine Gratwanderung zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung.



Persönliche Aussagen:

„Für mich ist jedoch klar, wenn aus dem ICH des Betroffenen und dem SIE der Fachpersonen ein WIR wird, die Verantwortung geteilt und gemeinsam neue Wege gegangen werden, dann ist das Empowerment.“

„Für mich bedeutet Empowerment den Schritt aus der Passivität in die Aktivität. Selbst in tiefen Krisen und in den Mühlen der Institutionen habe ich Möglichkeiten, mitzubestimmen – im Bewusstsein, dass es manchmal auch nur im kleinen Rahmen ist – so ist es doch wichtig DASS es Mitwirkung gibt und nicht wie viel. Empowerment heisst für mich, ein andocken an mich und meine Stärken.“

„Stärken aufzeigen und fördern, Selbstpflege gedeihen zu lassen und den Patienten zu unterstützen, selbständig seine Entscheidungen zu treffen.“

„Empowerment ist (für mich), wenn ich mich so gut kenne, dass ich weiss, was ich brauche um mich stark zu fühlen.“

Quellen:

  1. Lenz, Albert (Hg.) (2002): Empowerment. Neue Perspektiven für psychosoziale Praxis und Organisation. Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie. Tübingen: Dgvt-Verl. (Fortschritte der Gemeindepsychologie und Gesundheitsförderung, 10).

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