Erfahrungsbericht vom 14. September 2006
Als vor ein paar Jahren mein Leben wieder einmal auf eine harte
Probe gestellt wurde, regte ich mich so ab diesen unglücklichen
Umständen auf, dass ich wieder einmal den Fehler machte, anstatt
mich zu beruhigen, mich noch viel mehr aufzuregen bis mich die Psychose
packte.
Ich neige dazu, eher manische Psychosen zu erleben, wo ich meiner
Auffassung nach alles im Griff habe. Meine Nächsten können
mich nicht mehr überreden, eine Therapie zu machen, so dass
ein Klinikaufenthalt nicht zu vermeiden ist. Im Psychi Spital beschliesst
ein kompetenter Oberarzt, mich vom Umfeld abzuschirmen mit Tranquilizern
zu behandeln, damit ich der Realität ohne Stress und Nervosität,
ohne Berieselung von Bildern usw. wieder näher komme.
Nadisna kann ich mich mit meinen Mitpatient(innen) auseinandersetzen
(geteiltes Leid ist halbes Leid). Wunderbare, wenn auch oft kurzfristige
Bekanntschaften habe ich da erlebt. Natürlich muss ich nach
der Beruhigungsphase wieder aktiv werden.
Ich bekomme jetzt anstelle von süchtigmachenden Tranquilizern
Neuroleptika niederdosiert und leichte Antidepressiva.
Ich habe unter lieblichen Anleitern die Möglichkeit, kreativ
zu werken. Als alles besser läuft, komme ich auf die offene
Abteilung, wo ich mich wieder auf die „normale“ Welt
vorbereiten kann, d.h. Wohnmöglichkeit organisieren, Betreuung
organisieren usw.
Spaziergänge und Gespräche mit Pflegepersonal sind mir
wichtig zum Gedankenaustausch und um mich selbst als gesunder Mensch
wahrzunehmen oder lose Ansätze zu verbinden.
6 Monate war ich im Spital und schon bald wieder gesund.
Ich beschloss, in ein leicht betreutes Wohnheim einzutreten, wo
ich noch heute bin. Aber schon bald werde ich wieder selbständig
und autonom leben können!
Es kümmern sich um mich 2 Ärzte, 2 Sozialarbeiter, eine
Psychologin, 7 Psychiatrieschwestern, 1 Heimleiter, 1 Koch, 3 Ergotherapie
Profis, 2 Praktikanten Psychiatriepflege, 1 Gärtner. Ca. 100
Profis.
Es kümmerten sich um mich noch viele viele mehr. Diese Leute
geben alles für mich und viele andere. Schlussendlich muss
man sich eben auch anpassen und etwas unternehmen. Ich könnte
auch schlechte Erfahrungen in der Psychi dokumentieren. Fact ist
also, dass ich vor ein paar Jahren schwerkrank war und heute vor
Gesundheit nur so strotze. Viele sind gesund geworden durch die
Psychiatrie.
Einmal Zürich und zurück
Die letzte Psychose liegt nun schon 4 Jahre zurück. Ich erinnere
mich. Es war eine harte Zeit. Viele Stimmen, die mich plagten mit
Wahnvorstellungen und Verfolgungsängsten. Das ganze Programm.
Jede Psychose schreibt ihre eigenen Geschichten. Meistens sind sie
verrückt.
Weil es unzumutbar war, mich als Taxifahrer weiterzubeschäftigen,
wurde mir gekündigt. Nach einer Zeit der Verwahrlosung blieb
mir keine andere Wahl, als ab in die Psychiatrie (Waldau). Mein
Zustand wurde und wurde nicht besser.
Obschon ich in hilflosem Zustand war, ist mir nichts gescheiteres
eingefallen, als auf die Kurve zu gehen. Am Bahnhof hob ich das
nötige Kleingeld ab. Mit dem Taxi ging es nach Zürich.
Aus irgend einem Grund wollte ich mir eine Knarre besorgen. An der
Langstrasse gab es ein paar dubiose Typen. Einer wollte mir eine
Waffe verkaufen. Er müsse Sie nur schnell holen. Völlig
blödsinnnig gab ich ihm das Geld mit. Der Typ, das Geld und
die Knarre blieben verschwunden. Es war später Abend. Die nächste
Idee war, den Bahnhof aufzusuchen. Alkohol sagt mir für gewöhnlich
nichts. Trotzdem exte ich etwa acht Smirnoff an die Wand. Danach
wurde ausgiebig erbrochen. Im Park vis-à-vis vom Bahnhof.
Aus heiterem Himmel übermannte es mich. In Minutenschnelle
verschenkte ich 1000 Franken. Irgendeinem vorbeilaufenden Passanten.
Es wurde Zeit, ein Hotel aufzusuchen. Ohne wirklich schlafen zu
können, verliess ich dieses nach ein paar Stunden. Die Reise
ging nun zurück nach Bern. Vor dem Eingang zur Klinik hat es
einen Brunnen. Mir ist nichts Besseres eingefallen, als in das kühle
Nass zu springen. Irgendwann kam ein Arzt, nahm mich am Arm und
führte mich zurück auf die Abteilung. Dort angekommen
ergriff ich blitzschnell den Feuerlöscher und schäumte
alles ein. Irgendwelche Stimmen gaben mir Befehle. So endete meine
Reise nach Zürich. In der Geschlossenen.
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