Erfahrungsberichte

Nico Hirschi

Dipl. Pflegefachmann Psychiatrie HF
DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern

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Erfahrungsbericht vom 14. September 2006

Als vor ein paar Jahren mein Leben wieder einmal auf eine harte Probe gestellt wurde, regte ich mich so ab diesen unglücklichen Umständen auf, dass ich wieder einmal den Fehler machte, anstatt mich zu beruhigen, mich noch viel mehr aufzuregen bis mich die Psychose packte.
Ich neige dazu, eher manische Psychosen zu erleben, wo ich meiner Auffassung nach alles im Griff habe. Meine Nächsten können mich nicht mehr überreden, eine Therapie zu machen, so dass ein Klinikaufenthalt nicht zu vermeiden ist. Im Psychi Spital beschliesst ein kompetenter Oberarzt, mich vom Umfeld abzuschirmen mit Tranquilizern zu behandeln, damit ich der Realität ohne Stress und Nervosität, ohne Berieselung von Bildern usw. wieder näher komme.
Nadisna kann ich mich mit meinen Mitpatient(innen) auseinandersetzen (geteiltes Leid ist halbes Leid). Wunderbare, wenn auch oft kurzfristige Bekanntschaften habe ich da erlebt. Natürlich muss ich nach der Beruhigungsphase wieder aktiv werden.
Ich bekomme jetzt anstelle von süchtigmachenden Tranquilizern Neuroleptika niederdosiert und leichte Antidepressiva.
Ich habe unter lieblichen Anleitern die Möglichkeit, kreativ zu werken. Als alles besser läuft, komme ich auf die offene Abteilung, wo ich mich wieder auf die „normale“ Welt vorbereiten kann, d.h. Wohnmöglichkeit organisieren, Betreuung organisieren usw.
Spaziergänge und Gespräche mit Pflegepersonal sind mir wichtig zum Gedankenaustausch und um mich selbst als gesunder Mensch wahrzunehmen oder lose Ansätze zu verbinden.
6 Monate war ich im Spital und schon bald wieder gesund.
Ich beschloss, in ein leicht betreutes Wohnheim einzutreten, wo ich noch heute bin. Aber schon bald werde ich wieder selbständig und autonom leben können!
Es kümmern sich um mich 2 Ärzte, 2 Sozialarbeiter, eine Psychologin, 7 Psychiatrieschwestern, 1 Heimleiter, 1 Koch, 3 Ergotherapie Profis, 2 Praktikanten Psychiatriepflege, 1 Gärtner. Ca. 100 Profis.
Es kümmerten sich um mich noch viele viele mehr. Diese Leute geben alles für mich und viele andere. Schlussendlich muss man sich eben auch anpassen und etwas unternehmen. Ich könnte auch schlechte Erfahrungen in der Psychi dokumentieren. Fact ist also, dass ich vor ein paar Jahren schwerkrank war und heute vor Gesundheit nur so strotze. Viele sind gesund geworden durch die Psychiatrie.

Einmal Zürich und zurück

Die letzte Psychose liegt nun schon 4 Jahre zurück. Ich erinnere mich. Es war eine harte Zeit. Viele Stimmen, die mich plagten mit Wahnvorstellungen und Verfolgungsängsten. Das ganze Programm. Jede Psychose schreibt ihre eigenen Geschichten. Meistens sind sie verrückt.
Weil es unzumutbar war, mich als Taxifahrer weiterzubeschäftigen, wurde mir gekündigt. Nach einer Zeit der Verwahrlosung blieb mir keine andere Wahl, als ab in die Psychiatrie (Waldau). Mein Zustand wurde und wurde nicht besser.
Obschon ich in hilflosem Zustand war, ist mir nichts gescheiteres eingefallen, als auf die Kurve zu gehen. Am Bahnhof hob ich das nötige Kleingeld ab. Mit dem Taxi ging es nach Zürich. Aus irgend einem Grund wollte ich mir eine Knarre besorgen. An der Langstrasse gab es ein paar dubiose Typen. Einer wollte mir eine Waffe verkaufen. Er müsse Sie nur schnell holen. Völlig blödsinnnig gab ich ihm das Geld mit. Der Typ, das Geld und die Knarre blieben verschwunden. Es war später Abend. Die nächste Idee war, den Bahnhof aufzusuchen. Alkohol sagt mir für gewöhnlich nichts. Trotzdem exte ich etwa acht Smirnoff an die Wand. Danach wurde ausgiebig erbrochen. Im Park vis-à-vis vom Bahnhof. Aus heiterem Himmel übermannte es mich. In Minutenschnelle verschenkte ich 1000 Franken. Irgendeinem vorbeilaufenden Passanten. Es wurde Zeit, ein Hotel aufzusuchen. Ohne wirklich schlafen zu können, verliess ich dieses nach ein paar Stunden. Die Reise ging nun zurück nach Bern. Vor dem Eingang zur Klinik hat es einen Brunnen. Mir ist nichts Besseres eingefallen, als in das kühle Nass zu springen. Irgendwann kam ein Arzt, nahm mich am Arm und führte mich zurück auf die Abteilung. Dort angekommen ergriff ich blitzschnell den Feuerlöscher und schäumte alles ein. Irgendwelche Stimmen gaben mir Befehle. So endete meine Reise nach Zürich. In der Geschlossenen.